Die Brombeere – Stachelige Vitaminbomben am Wegesrand

Reife Brombeeren

Reife Brombeeren

Wer kennt es nicht, das schier undurchdringliche Brombeer-Gestrüpp mit seinen meterlangen dornigen Ranken, den unscheinbaren weißen Blüten und den dicken, schwarzen, saftig-süßen Beeren, die von August bis Anfang Oktober reifen. Brombeeren sind weit verbreitet und wachsen an den Rändern von Wiesen, Weiden und Feldern, in Parks und Gärten, an Fußwegen, im Wald oder auf Brachen. Aber Brombeeren sind nicht nur ein leckerer Snack, sondern auch gesund und heilkräftig.

Die Beeren des Brombeerstrauchs – lecker und voller gesunder Inhaltsstoffe

Wie archäologische Funde zeigen, haben unsere Vorfahren schon in der Jungsteinzeit fleißig Brombeeren genascht. Wahrscheinlich taten sie das eher des Geschmacks als der Gesundheit wegen, aber sie profitierten von den wertvollen Inhaltsstoffen der süßen Früchte genauso wie wir heute. Die tiefschwarzen Brombeerfrüchte sind wahre Vitalstoffbomben. Sie enthalten viel Vitamin C und Beta-Karotin, Mineralien und eine große Menge an Antioxidantien und Ballaststoffen. Dadurch stärken Brombeeren das Immunsystem, wirken entzündungshemmend und senken das Risiko von Herz-Kreislauferkrankungen. 100 g Brombeeren decken mit rund 17 mg Vitamin C fast ¼ des empfohlenen Tagesbedarfs.

Brombeeren in verschiedenen ReiefegradenDurch ihren verhältnismäßig hohen Gehalt an Kalium (190mg/100g) können Brombeeren dazu beitragen, das Kalium-Natrium-Verhältnis im Körper zu verbessern und damit die Blutdruckregulation positiv beeinflussen. Eine große Handvoll Brombeeren deckt außerdem rund die Hälfte des täglichen Bedarfs an Mangan, das als Bestandteil vieler Enzyme unter anderem den Fett- und Eiweißstoffwechsel und die Bildung von Insulin reguliert. Auch am Aufbau von Bindegewebe und Knochen ist das Spurenelement beteiligt. Brombeeren enthalten außerdem nennenswerte Mengen an Eisen, Magnesium und Folsäure.

Zudem sind Brombeeren nach Holunder– und Heidelbeeren eine der besten Quellen für stark antioxidativ wirksame Antocyane. Das sind sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen sich Pflanzen vor UV-Schäden schützen. Indem wir sie essen profitieren auch unsere Zellen vom effektiven Schutz vor Alterung und Entartung. Antocyane neutralisieren freie Radikale und schützen so Gewebe und Blutgefäße. Sie stärken das Bindegewebe und können Venenleiden, Krampfadern und Hämorrhoiden lindern. Sie helfen Blutgerinnsel zu verhindern und verbessern durch ihre gefäßerweiternde Wirkung den Blutfluss. Die Pflanzenfarbstoffe wirken immunstärkend und entzündungshemmend. Zudem sollen sie eine positive Wirkung auf den Cholesterin-Stoffwechsel und die Sehkraft haben und auch bei Nervosität und Stress hilfreich sein. Brombeeren enthalten 50-350 mg Antocyane pro 100g.

Ein Abbauprodukt dieser Antocyane macht die Brombeeren außerdem zum nützlichen Helfer gegen Allergien und Heuschnupfen. Das Quercetin genannte Flavonoid hemmt im Körper die übermäßige Ausschüttung von Histamin, welches bei allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielt. Es gilt deshalb als natürliches Antihistaminikum. Es ist in hohen Dosen unter anderem in Kapern, Liebstöckel, Zwiebeln und Brennnesseln enthalten. Brombeeren gelten mit 45 mg pro Kilogramm ebenfalls als gute Quelle.

Wildkrautgarten_Brombeere_02Brombeeren sind also eine gesunde Süßigkeit. Weil sie zu rund 85 % aus Wasser bestehen, sind sie zudem sehr kalorienarm. Sie enthalten gerade mal 36 kcal pro 100g, bei jeweils rund 1 g Fett und Eiweiß und 6,2 g Kohlenhydraten. Mit einem Ballaststoffgehalt von 3 g liegen Brombeeren dabei gleichauf mit Cornflakes, allerdings bei weniger als einem Zehntel der Kalorien.

Durch den hohen Ballaststoffgehalt können Brombeeren bei der Vorbeugung und Behandlung von Verstopfung und Hämorrhoiden helfen. Die unverdaulichen Fasern bewirken, dass der Darminhalt mehr Flüssigkeit aufnimmt und so Volumen und Menge vergrößert. Dadurch kann er leichter und schneller vorwärts transportiert werden, das beugt Verstopfung vor. Die Antocyane der Brombeeren kräftigen die Blutgefäße und können Schwellungen und Schmerzen mindern.

Der aus Brombeeren gepresste Saft wird in der Naturheilkunde vor allem gegen Heiserkeit eingesetzt. Dafür wird der Saft frisch gepresst und leicht angewärmt. Anschließend verwendete man ihn zum Gurgeln und lässt ihn dabei schluckweise die Kehle hinunter rinnen. Das soll die überanstrengten Stimmbänder pflegen und unterstützt den Organismus zusätzlich mit Vitaminen, Mineralien und Fruchtsäuren.

Die Erntezeit für Brombeerfrüchte reicht von August bis Anfang Oktober. Da Brombeeren keine feste Blütezeit haben, findet man oft Blüten, unreife Beeren und reife Früchte an einem Strauch und kann so immer wieder ernten. Brombeeren sind Sammelfrüchte, sie bestehen also eigentlich aus vielen einzelnen Steinfrüchten. In jeder einzelnen Fruchtkugel ist ähnlich wie bei Kirschen ein kleiner Stein mit dem Samen enthalten. Die volle Reife haben die Scheinbeeren erreicht, wenn sie sich komplett glänzend blauschwarz verfärbt haben und die einzelnen Steinfrüchtchen deutlich als weiche Kugeln erkennbar sind. Die Beeren lösen sich dann sehr leicht von der Pflanze. Unreife Früchte sitzen noch fester und schmecken recht sauer, vollreife Brombeeren schmecken süß und sehr aromatisch.

Brombeeren sind leicht verderblich, deshalb sollte man sie nicht lange aufbewahren. Ungewaschen und lose halten sie in einer abgedeckten Schüssel im Kühlschrank ein bis zwei Tage, allerdings sinkt in dieser Zeit der Vitamin- und Vitalstoffgehalt zunehmend. Um Brombeeren länger haltbar zu machen, kann man sie im Ganzen trocknen oder einfrieren. Püriert man sie vor dem Einfrieren, sollte man ein wenig Zitronensaft hinzugeben, um den Nährstoffverlust möglich gering zu halten. Brombeeren kann man in zahlreichen Rezepten verwenden. Sie aromatisieren Liköre und Fruchtessig, lassen sich zu Wein oder Sirup verarbeiten und sind lecker als Kompott, als Marmelade oder im Gebäck. Getrocknet ergeben sie einen fruchtigen Tee oder passen ins Müsli.

Die Brombeerpflanze in Küche und Medizin

junges Brombeerblatt

junges Brombeerblatt

Doch nicht nur die Früchte der Brombeere sind essbar und heilkräftig. Junger, noch weicher Brombeeraustrieb eignet sich im zeitigen Frühjahr als Zutat für Salate, Wildgemüse, Kräuterquark oder Wildspinat. Die gerade entfalteten Blätter schmecken säuerlich-herb.

Die Gemmotherapie empfiehlt einen Alkohol-Glycerin-Auszug der Brombeer-Triebspitzen als Heilmittel gegen Arthrose im Alter, schmerzhafte Osteoporose, erhöhten Blutzuckerspiegel, Rheuma und Bluthochdruck. Die Gemmotherapie ist eine spezielle Art der Pflanzenheilkunde. Sie konzentriert sich auf die aktivierenden und regenerativen Eigenschaften von Knospen (lat.: Gemma), Trieben, Schösslingen und wachsenden Wurzelspitzen.

Vom späteren Frühjahr bis Herbst kann man junge, aber schon voll entfaltete Brombeer-Blätter für die Zubereitung von Haus- und Heiltees oder für Mundspülungen sammeln. Man trocknet sie direkt nach dem Sammeln im Schatten. Die Blätter enthalten Gerbstoffe, organische Säuren, gefäßschützende Flavonoide sowie etwas Vitamin C und ätherisches Öl. Zudem sind sie eine gute Quelle für das Polyphenol Ellagsäure, das aus den enthaltenen Ellagtannine im Darm gebildet wird. Ellagtannine und Ellagsäure gelten als krebshemmend, immunstärkend und blutzuckerregulierend. Sie sollen auch antiviral, antibakteriell und antiparasitär wirksam sein.

Junge Brombeertriebe

Junge Brombeertriebe

Die Verwendung von Brombeerblättern als Heilmittel ist schon seit dem Altertum bekannt. Brombeerblättertee wirkt schleimlösend und auswurffördernd, weshalb er bei Erkältungen unterstützen kann. Durch seine blutreinigende Wirkung hat er einen positiven Einfluss auf Hautausschläge, Hautunreinheiten und Flechten. Werdenden Müttern wird Brombeerblättertee ebenso wie Tee aus Himbeerblättern zur Auflockerung des Gewebes vor der Geburt empfohlen. Im deutschen Arzneicodex medizinisch anerkannt ist die Wirksamkeit des Brombeerblättertees bei unspezifischen akuten Durchfallerkrankungen und leichten Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Dafür überbrüht man mehrmals täglich einen 1 gehäuften Teelöffel  pro Tasse mit heißem Wasser, lässt das Ganze 10 bis15 Minuten ziehen und trinkt oder gurgelt schluckweise. Als Spülung kann der Tee auch bei Heiserkeit, Halsschmerzen und Zahnfleischbluten helfen. Schon die Römer sollen die jungen Blätter gekaut haben, um das Zahnfleisch zu kräftigen.

Aus Brombeerblättern kann man zudem einen koffeinfreien Schwarztee-Ersatz herstellen, indem man sie fermentiert. Dazu lässt man die Blätter nach der Ernte etwas anwelken und zerdrückt sie anschließend mit dem Nudelholz. Dann besprüht man sie leicht mit Wasser und schlägt sie in ein sauberes Leinen- oder Geschirrtuch ein. Nach zwei bis drei Tagen Gärung an einem warmen Ort sollten sie einen angenehmen rosenähnlichen Duft verströmen. Nun werden die Blätter schnell getrocknet und in einem luftdichten Behältnis aufbewahrt. Die Zubereitung erfolgt dann wie bei schwarzem Tee.

Dem Tee aus der Brombeerwurzel werden ähnliche Wirkungen wie dem Blatt-Tee nachgesagt. Er wird heute jedoch eher selten verwendet. Willfort empfiehlt den Wurzeltee gegen Wassersucht. Georg Friedrich Most schreibt den in Wein gesottenen Wurzeln in seiner im 19. Jahrhundert weit verbreiteten Enzyklopädie der Volksmedizin Heilkräfte gegen Blasen- und Nierenleiden zu.

Wildkrautgarten_Brombeere_04Die Wurzeln der Brombeere können über 100 Jahre alt werden. Sie treiben immer wieder kräftig aus. Die mehrere Meter langen Ranken klettern über Mauern und andere Hindernisse, bewurzeln sich bei Bodenkontakt und erobern so neues Territorium. Zudem können sich Brombeeren sowohl über befruchtete als auch über unbefruchtete Samen vermehren. Auch wenn sie für den Botanik-Laien alle gleich aussehen, gibt es hunderte Brombeerensorten, die sich in Fruchtgeschmack, Bestachelung oder Blattbehaarung leicht unterscheiden. Viele davon wachsen wild und gedeihen vorwiegend in gemäßigten Klimazonen. Durch ihr ungestümes Wachstum bilden Brombeeren oft große zusammenhängende Bestände und werden gern als undurchdringliche Umgrenzung angepflanzt. Sie bieten vielen Tieren Nahrung und geschützten Lebensraum. Die Schnitt- und Bruchstellen der Brombeerranken werden beispielsweise gerne von Wildbienen als Brutkammern genutzt.

Den stacheligen Ranken verdankt die Brombeere auch ihren Namen. Er leitet sich aus dem althochdeutschen Wort brāmberi ab, was übersetzt „Beere vom Dornenstrauch“ bedeutet. Über die Herkunft des lateinischen Namensteil rubus herrscht dagegen Uneinigkeit. Einige führen ihn auf das lateinische ruber = rot zurück. Andere sehen den Ursprung im althochdeutschen roufen für raufen oder rupfen. Der zweite lateinische Namensteil fructicosus leitet sich nach übereinstimmender Meinung aus dem lateinischen Begriff für buschig oder strauchig ab. Als Rosengewächs ist sie mit Apfel, Erdbeere oder Kirsche verwandt.

Erntehinweise

Undurchdringliche Brombeerhecke

Undurchdringliche Brombeerhecke

Durch das buschige Wachstum sind wilde Brombeeren mitunter recht schwer zu ernten, da die einjährigen dornigen Ranken die an den zweijährigen Trieben wachsenden Früchte überwuchern. Am besten kommt man deshalb an die Früchte regelmäßig gestutzter Brombeerpflanzen, beispielsweise an Parkwegen oder Weidenrändern. Auch ein Stock kann helfen, die dornenbewährten Ranken etwas auseinander zu drücken, um an die süßesten Früchte zu gelangen. Auch wenn die Gefahr von Fuchsbandwürmern heute im Allgemeinen stark überschätzt wird, sollte man beim Sammeln niedrig hängende Früchte und Blätter meiden und sich lieber weiter oben bedienen. Damit umgeht man auch die viel größere Gefahr, dass gesammelte Beeren von Hunden oder auch Menschen „gedüngt“ wurden. Brombeerhecken an stark befahrenen Straßen oder auch an Feldrändern sollte man ebenfalls meiden, da die Pflanzen dort durch Autoabgase oder Pestizide belastet sein können. Leider trifft letzteres auch auf die meisten im Handel erhältlichen Früchte zu. Damit sie möglich lange lagerfähig bleiben, werden sie oft mit chemischen Mitteln behandelt.

Wer auf Nummer sicher gehen will, holt sich die gesunden Brombeeren in den eigenen Garten. Dafür gibt es mittlerweile sogar komplett dornenfreie Sorten, die zudem auch nicht ganz so wucherfreudig sind, wie die wilden Verwandten. Auch wenn die Früchte der dornenlosen Arten meiner Meinung nach im Aroma nicht ganz mit den wilden Sorten mithalten können, sind sie doch eine gute Alternative gerade für kleine Gärten und zarte Kinderhände.

Und hier noch ein Rezept für einen Brombeer-Smoothie a la Wildkrautgarten:
2 Bananen, 2 Orangen und 1 Möhre in Stücke schneiden und mit 2 Handvoll Brombeeren, 1 halben Handvoll Gänsefingerkraut, 1 Esslöffel gequollenen Chia-Samen und ½ Liter Wasser oder (Pflanzen-)milch cremig mixen.

Guten Appetit und fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten

Buchquellen:

 


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