Das Scharbockskraut – Wildsalat gegen Frühjahrsmüdigkeit

Scharbockskraut - essbar

Scharbockskraut im Frühjahr

Als eine der ersten Pflanzen im Jahr überzieht das Scharbockskraut die winterkahle Erde mit einem grünen Teppich. Seine knackigen herz- bis nierenförmigen, wunderbar glänzenden Blätter passen gut aufs Butterbrot, machen sich lecker im Salat oder ersetzen das Basilikum beim Tomate-Mozzarella-Teller. Die Pflanze enthält eine große Menge Vitamin C. Diesem Reichtum verdankt das Scharbockskraut auch seinen Namen.

Scharbock ist ein altertümlicher Name für den früher nicht nur bei Seefahrern gefürchteten Skorbut – eine Krankheit, die durch Vitamin-C-Mangel ausgelöst wird. An diesem litten die Menschen nicht nur auf See, sondern auch nach langen Wintermonaten ohne frische Kost. Wenn sie im Frühjahr dann die frühen, saftig-grünen Blätter des Scharbockskrautes aßen, ging es ihnen schnell besser. Auch wenn sie damals noch nicht wussten, dass es das heilsame Vitamin C war, das ihnen half, gaben sie dem Kraut gegen den Scharbock den passenden Namen. Beim lateinischen Namen ist man sich bis heute nicht ganz einig, man findet es als Ficaria verna oder als Ranunculus ficaria. Neuere Forschungen haben zudem gezeigt, dass das im Volksmund auch Feigwurz genannte Kraut nicht ganz so eng mit seiner zugeordneten Pflanzenfamilie, den Hahnenfussgewächsen, verwandt ist, wie bisher gedacht.

Scharbockskraut

Das Scharbockskraut hat glänzende feingeäderte Blätter

Schon länger ist bekannt, dass die Pflanze ein schwachgiftiges Alkaloid namens Protoanemonin enthält, dass die Schleimhäute reizen kann. Dennoch können wir uns die Vitamin-C-reichen Blätter zu Nutze machen und damit beispielsweise die Frühjahrsmüdigkeit vertreiben. Vor der Blüte gegessen enthalten die Scharbockskrautblätter im Allgemeinen nämlich nur sehr wenig von dem leicht toxischen Bitterstoff. Erst mit der Blüte steigt der Gehalt stark an.

Vor der Blüte eignen sich die Scharbockskraut-Blätter mit ihrem frischen sauer-scharfen Geschmack als Bestandteil im gemischten Wildkrautsalat oder als Belag auf dem Butterbrot. Klein gehackt in Kräutermischungen, zu Salatsaucen oder im Kartoffelpüree bereichern sie die Frühlings-Speisen. In exorbitant großen Mengen sollte man das Scharbockskraut nicht konsumieren, aber eine Handvoll Blätter täglich sind vor der Blüte im Allgemeinen völlig unbedenklich. Natürlich gibt es immer Menschen, die empfindlich oder allergisch reagieren können, deshalb sollte man, wie bei allen neuen Nahrungsmitteln und eben auch bei Wildkräutern erstmal mit ein oder zwei Blättchen die Verträglichkeit testen. Ich persönlich esse das Scharbockskraut in jedem Frühjahr und vertrage es prima.

Scharbockskraut

Wenn die schöne Blüte erscheint, nur anschauen, nicht mehr essen!

Die hübschen gelben Sternblüten des Scharbockskrautes signalisieren dem Wildkrautsammler das Ende der Blätterernte. Mit der Blüte beginnt die Pflanze in Stielen und Blättern verstärkt Giftstoffe einzulagern, die zu Erbrechen und Durchfall führen können. Deshalb sollten das Scharbockskraut dann nicht mehr gegessen werden – allerdings schmeckt es dann auch nicht mehr säuerlich, sondern eher brennend-scharf. Ein unwirtlicher Standort kann die Pflanze in seltenen Fälllen auch vor der Blüte schon zu stärkeren Giftproduktion anregen , deshalb sollte man sich einfach auf seinen Geschmack verlassen: Schmeckt es brennend und unangenehm, dann einfach stehen lassen.

Giftig: Haselwurz

Giftig: Haselwurz

Beim Sammeln sollte man auch darauf achten, dass man das junge Scharbockskraut nicht mit der giftigen Haselwurz verwechselt. Die Blätter des Scharbockskrautes sind gekerbt, die der Haselwurz nicht. Zudem sind die Blätter der Haselwurz mit rund 5 cm Durchmesser wesentlich größer als die bis Zwei-Euro-Stück großen Scharbockskrautbläter. Haselwurz wirkt zudem meist wie leicht nach unten gekrempelt und ist nicht so schön glänzend wie das Scharbockskraut. Blätter der Haselwurz sind auf der Unterseite außerdem oft trüb braunpurpurn angelaufen und riechen beim Zerreiben unangenehm scharf. Für ungeübte Wildkrautsammler besteht möglicherweise noch Verwechslungsgefahr mit Knoblauchsrauke, Gundermann oder jungen Veilchen. Da diese allesamt essbar sind, wäre das nicht allzu tragisch, allerdings sollte man natürlich immer genau wissen, was man da sammelt.

Scharbockskraut

Ein Teppich voll Scharbockskraut

Das Scharbockskraut hat ein weiteres Erkennungsmerkmal. Es vermehrt sich zusätzlich zur Bestäubung durch Insekten durch kleine Knollen, die es nach der Blüte an den Blattachseln bildet. In Größe und Form erinnern sie an Getreidekörner. Sie werden später zu den stärkehaltigen Wurzelknöllchen, aus denen im nächsten Jahr neue Pflanzen treiben. Diese Brutknospen und auch die Wurzelknöllchen wurden in schlechten Zeiten ebenfalls als Nahrung verwendet. Sie können in kleinen Mengen auch im Mai und Juni noch gesammelt werden, enthalten aber allgemein höhere Konzentrationen des Giftstoffes als die Blätter. Verwendung fanden die Knollen früher als gekochtes Gemüse, getrocknet und zu Mehl gemahlen oder als Kapernersatz in Essig oder Öl eingelegt. Für letzteres sollte man die Knollen vorher ein paar Tage in Salz legen. Auf dieselbe Weise kann man auch die vor der Blüte gesammelten Blätter haltbar machen.

Getrocknetes Scharbockskraut ist übrigens unbedenklich, da beim Trocknen die giftigen Inhaltsstoffe abgebaut werden. Man kann es als blutreinigenden Tee verwenden, der innerlich gegen Hautkrankheiten helfen oder als Sitzbad Hämorrhoiden lindern soll. Der Presssaft aus den Wurzelknöllchen soll früher äußerlich gegen Feigwarzen genutzt worden sein.

Scharbockskraut

Ab der Blüte sollte man das Scharbockskraut nicht mehr essen!

Die Wurzelknöllchen sind übrigens das einzige, was ab den Sommermonaten vom Scharbockskraut übrig bleibt. Spätestens im Juni beginnt die Pflanze zu welken, zieht sich dann ganz in die Erde zurück und macht Platz für andere Wildkräuter. Im nächsten Frühjahr wird sie aber wieder eine der ersten sein, die uns mit ihrem Grün erfreut. Als Kind habe ich mal ein paar Knöllchen dieses hübschen Frühblühers im elterlichen Garten angepflanzt. Dort wächst sie im Frühjahr noch heute in einem mittlerweile stattlichen Teppich. Vor ein paar Jahren habe ich sie mir nun auch in meinen eigenen Garten holt und freue mich jedes Jahr wieder über das erste frische Grün!

Hier noch ein paar Rezepte, die Lust auf Frühling machen und die Wintermüdigkeit vertreiben.

Guten Appetit und Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten (c) Mandy Bantle

Tomate-Mozarella mit Scharbockskraut
2-3 Tomaten und 1 Mozarella in Scheiben schneiden, Tomatenscheiben auf einen Teller legen, jeweils ein Mozarellastück und ein Scharbockskrautblatt darauf legen. Leicht salzen und pfeffern. Olivenöl oder Balsamico-Essig darüber träufeln. Kurz ziehen lassen.

Frühlingsbutter Rot-grün
1/2 Stück Butter in einer genügend großen Schüssel zimmerwarm stellen, bis sie weich ist. 2-3 EL Scharbockskraut fein hacken, 1 kleine Zwiebel sehr fein würfeln, 1 mittelgroße Möhre fein raspeln. Gemeinsam mit 2 EL Tomatenmark auf die Butter geben und mit einer Gabel gut durchmischen. Am Ende mit Salz und etwas Pfeffer abschmecken. Hält sich im Kühlschrank mehrere Tage. Ansonsten kann man die Kräuterbutter auch stückchenweise einfrieren. Wer will kann, noch gepressten Knoblauch beifügen.

 

 

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