Gemeines Tellerkraut – eine Salatpflanze für die kalte Jahreszeit

Tellerkraut

Blühendes Tellerkraut

Viele Wildpflanzen machen es dem Wildkrautgärtner leicht. Sie wachsen ohne Pflege, vermehren sich üppig und versprechen eine gesunde Ernte. Gerade wegen dieser ungestümen Vitalität sind sie aber beim Otto-Normal-Gärtner meist unbeliebt – überwuchern sie doch die Beete, auf denen er etwas anderes anbauen will. Da wäre es doch ungemein praktisch, wenn ein Wildkraut nur im Winterhalbjahr auf den Beeten wächst, sich in der kalten Jahreszeit ernten lässt und im Sommer von selbst verschwindet. Natürlich sollte es dann auch noch gesund sein, gut schmecken und am besten auch noch Heilkräfte haben. Gibt es nicht? Doch gibt es! Darf ich vorstellen: das gemeine Tellerkraut.

 

Tellerkraut

Von einer Pflanze kann man mehrmals ernten

Kennen gelernt habe ich das unscheinbare Tellerkraut mit seinen unverwechselbaren tellerförmigen Blättern im Vorgarten meiner Schwiegermutter im Lipper Land. Dort bedecken die kleinen Rosetten im Frühjahr die Beete mit üppigem Grün. Statt sie als Unkraut zu bekämpfen, landen die fleischigen Stiele und Blätter täglich im Salat oder auf dem Butterbrot. Das knackige Grün hat einen sehr milden Geschmack. Manche beschreiben ihn als nussig-salzig-säuerlich. Mich erinnert er an Feldsalat mit einem Hauch von Vogelmiere.

Das Tellerkraut ist aber nicht nur lecker, sondern auch gesund. Es enthält eine ordentliche Portion Vitamin C. Mit rund 60 mg pro 100g ist es dabei den meisten klassischen Wintersalaten weit überlegen und lässt auch Feldsalat, Mangold, Wirsing und Rotkohl hinter sich. Außerdem enthält es Eisen, Magnesium und Kalzium. Am besten genießt man die saftige Pflanze roh im Salat oder als Zutat in Dips, Quark oder Pesto. Ältere Blätter eignen sich kurz blanchiert auch als zarter Spinat oder fein geschnitten als dekorative Suppenbeigabe. Man sollte sie jedoch nur kurz garen, da sonst Vitamine und Geschmack verloren gehen – 2 bis 3 Minuten reichen aus. Die Wurzel ist als Kochgemüse geeignet. Sie soll geschmacklich an Maronen erinnern. Die unscheinbaren weißen Blüten kann man einfach mitessen oder als Deko für den Salat verwenden.

Tellerkraut

Herbstliche Beete mit frischem Grün

Heimisch an den feuchten Berghängen der Westküste Nordamerikas rettete die heute in Amerika als Goldschürfersalat (minor’s lettuce) bekannte Pflanze zur Zeit des großen Goldrauschs in Kalifornien zahlreiche Abenteurer vor Skorbut und dem Verhungern. Von Indianern und Mexikanern erfuhren die oft erfolglosen und armen Glücksritter, dass sie die Pflanze essen könnten, die schnell die durchwühlten Claims mit frischem Grün überzog. Vielleicht übernahmen sie auch die Heilanwendungen von den eingeborenen Indianern. Die Shoshonen nutzen eine Breiauflage der Blätter bei „Gliederreißen“, welches man heute wohl unter dem Stichwort rheumatische Erkrankungen einordnen würde. Andere Stämme verwendeten die Pflanze bei Augenleiden.

Tellerkraut

junges Tellerkraut gibts auf dem Markt als Postelein oder Winterportulak

Vermutlich über einen Umweg nach Kuba fand der wertvolle Salat dann den Weg in europäische Gärten. Noch heute wird er manchmal als Kuba-Spinat bezeichnet. Auch unter dem Namen Postelein findet man das Tellerkraut heute auf manchem winterlichen Wochenmarkt.

An der Nordseeküste von Belgien bis Dänemark und im Nordwesten Deutschlands ist das Tellerkraut heute weitestgehend eingebürgert und teilweise schon als Unkraut gefürchtet. Auch im Rheintal zwischen Karlsruhe und Frankfurt oder rund um Berlin soll es wachsende Bestände geben. Und auch im Harz, namentlich in Wernigerode, habe ich das Tellerkraut schon in ansehnlichen Kolonien in freier Wildbahn entdecken können.

Tellerkraut

der Blattteller mit rispenhafter Blüte ist das „Markenzeichen“ des Tellerkrauts

Man erkennt den Neophyten an seinen ungewöhnlichen Blättern, denen die Pflanze ihren Namen verdankt. Während die Grundblätter eher rhombisch-eiförmig sind, wachsen die späteren Blätter unterhalb des Blütenstandes paarweise zusammenwachsen. Damit bilden sie einen scheinbar vom Stengel durchstoßenen kreisrunden Blattteller, in dem die zarte Blüte thront. Die Samen sind für viele Wildvögel ein wertvolles Futter.

Da das Tellerkraut in den Sommermonaten abstirbt und die Beete freimacht, sollten sich auch konservative Gärtnern nicht davor fürchten, den Indianersalat in den eigenen Garten zu holen. Er ist im Anbau recht anspruchslos, bevorzugt aus meiner Erfahrung aber eher sandige Böden. Die einjährige Pflanze ist winterhart und stirbt im Frühsommer ab. Die Vermehrung erfolgt über die zahlreichen kleinen, schwarzen Samen, die ab April reifen und sich selbst aussähen.

Tellerkraut

Tellerkraut-Babys im Herbst

Tellerkraut ist ein Licht- und Kaltkeimer. Die Samen überdauern den Sommer im Boden und keimen im Herbst, wenn die Temperaturen unter 12°C fallen. In milden Wintern wie diesem kann man das Kraut von Oktober bis Mai im Freiland ernten, ansonsten lohnt sich der Anbau im ungeheizten Gewächshaus, im Blumenkasten auf dem kühlen Balkon oder wie Kresse auf dem Fensterbrett.Gute Partner sind Barbarakraut, Gartenkresse und Feldsalat.

Die Ernte beginnt, wenn die Pflanzen rund 5 cm hoch sind. Ausgewachsen sind sie mit rund 20 cm. Wenn man die Blätter nicht zu tief abschneidet, sind sogar mehrere Ernten von einer Pflanze möglich. Am besten immer 3 cm der Blattstiele stehen lassen. Übrigens mögen auch Ziervögel und Schildkröten das saftige Grün.

Damit Sie sich selbst vom kulinarischen Wert des Tellerkrauts überzeugen können, unten noch ein paar Rezepte zum Ausprobieren.

Fröhliches Wildkräutern.
Der Wildkrautgarten

Tellerkraut mit Bratbirne und Walnüssen
100g Tellerkrautblätter und -stiele waschen und trocken tupfen auf einem Teller dekorativ anrichten. 1 Birne schälen, entkernen und in mundgerechte Stücke schneiden. 50g Walnüsse klein hacken. Birnenstücke und Walnüsse in Butter oder Kokosöl anbraten und auf den Teller mit dem Wildsalat geben. In der Pfanne nun 2 Esslöffel Balsamico schäumend aufkochen und mit Honig verrühren, bis eine Creme entsteht. Das warme Dressing über den Salat verteilen, einige Walnusstücke darüber streuen und servieren. Wer will, kann das ganze noch mit einigen Kresse- oder Alfalfasprossen und angerösteten Chia-Samen garnieren.

Tellerkraut mit Avocado-Rettich-Melange
100 g Pecan- oder Walnüsse grob hacken. Je 1 kleine Zwiebel und 1 Knoblauchzehe schälen und fein würfeln. Für das Dressing 4 Esslöffel Wein-Essig, 1 Esslöffel Apfelmus und 1 Teelöffel Zucker miteinander verrühren. 4 Esslöffel Walnuss-Öl unterschlagen und die hälfte der gehackten Nüsse sowie die Zwiebel- und Knoblauchwürfel hineinrühren. Nach Bedarf mit Salz und Pfeffer würzen.

200 g Tellerkrautblätter und -stiele waschen und trocken schleudern. 1 schwarzen Kugel-Rettich schälen und in feine Streifen schneiden. 1 reife Avocado halbieren, Stein entfernen und dünne Scheiben oder Würfel schneiden. Avocado und Rettich mit dem Dressing vermischen und ein paar Minuten ziehen lassen. Tellerkraut vorsichtig unter die Avocado-Rettich-Mischung heben, mit den restlichen gehackten Nüssen garnieren und servieren.

Schneller Tellerkraut-Apfel-Tomaten-Salat
2 Handvoll Tellerkrautblätter und -stiele waschen und abtupfen, je einen Apfel und eine Tomate in mundgerechte Stücke schneiden und alles in eine Schüssel geben. Einen halben Teelöffel Zitronensaft und je einen 1 Teelöffel Olivenöl und Senf zu einem Dressing verrühren und über den Salat geben. Eventuell mit Salz und Pfeffer würzen und 1 Esslöffel kurz angeröstete Sesam- oder Chia-Samen darüber streuen.

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