Pflanze des Monats Oktober – der Holunder

Ein heilsamer Begleiter seit der Steinzeit

Wildkrautgarten Holunder

Holunderbeeren im Herbst

Im Frühjahr verkünden die weißen, süßlich duftenden Dolden des Holunderstrauchs die Ankunft der warmen Jahreshälfte. Im September zeigen uns seine schwarzen Beeren an, dass der Sommer seinen Zenit überschritten hat.

Der Holunder hilft uns, die Phasen der Jahreszeitenwechsel gesund zu überstehen, indem er mit Blüten und Beeren unser Immunsystem stärkt. Der auch als Hollerbusch oder im norddeutschen als Flieder bekannte Strauch wird schon seit Jahrtausenden als Heilpflanze genutzt und ist eine der häufigsten Straucharten in Mitteleuropa. Samenfunde aus der Steinzeit belegen die lange Nutzung durch den Menschen. Hippokrates bezeichnete den Holunder als Medizinschrank gegen allerlei Leiden. Auch Kelten und Germanen verehrten ihn als heiligen Baum. Tatsächlich ist der Holunder in allen Teilen heilkräftig und hilft uns auch heute noch gegen viele Beschwerden.

Der Hollerbusch treibt seine Blätter sehr früh im Jahr – in milden Wintern zeigt sich bereits im Februar ein erstes Grün. Holunderschossen werden diese jungen, gerade aufspringenden Knospen genannt. Meine Schwiegermutter verwendet sie als aromatische Zutat im Frühlingssalat. Ich wollte ihr kaum glauben, dass diese Holunderblätter schmecken, riecht doch die Pflanze insgesamt eher unangenehm. Umso überraschter war ich von dem fast fruchtigen Aroma der jungen Blätter. Die berühmte Kräuterfrau Maria Treben empfiehlt Holunderschossen zusammen mit Schlüsselblumen, Löwenzahnwurzeln und Brennnesselblättern für einen blutreinigenden Frühlingstee.

Wildkrautgarten HolunderbeerenHolunderschossen haben eine leicht schweißtreibende, entgiftende und harntreibende Wirkung und beeinflussen den Zuckerhaushalt positiv. Deshalb rät Maria Treben bei Zuckerkrankheit zum regelmäßigen Tee-Verzehr. Äußerlich lindern die zerquetschten Blätter Sonnenbrand, leichte Verbrennungen und Insektenstiche. In Milch aufgekocht sollen sie gegen entzündete und schmerzhafte Hämorrhoiden helfen.

Wenn die Holunderblätter älter werden, bekommen sie einen unangenehmen Geschmack und entwickeln Giftstoffe, die Brechreiz und Durchfall auslösen können. Auch bei der Rinde, den Stielen, unreifen oder rohen Früchten und den Samen ist Vorsicht geboten. Schon manch einer hat nach dem Genuss von Suppe oder Wein aus rohen Holunder-Beeren innige Freundschaft mit der Kloschüssel geschlossen. Da sich die Giftstoffe beim Kochen zersetzen, sollte man die Beeren des Holunders immer kurz aufkochen. Dann sind sie – wie die Blüten auch – ein wahrer Gesundbrunnen und eine lecker-gesunde Zutat zu vielen Rezepten. Der Saft aus den aromatischen, etwas herben Beeren ist Grundlage für Konfitüren und Gelee, Obstwein, Likör oder Punsch. Die Blüten kann man übrigens bedenkenlos verwenden, da sie keine Giftstoffe enthalten. Sie werden zur spritzigen Limonade, zum leckeren Holler-Küchle oder zum Kult-Getränk Hugo.

Wildkrautgarten Holunderblueten

Holunderblüten im Frühjahr

Sowohl die Blüten als auch die Beeren stärken das Immunsystem und helfen bei Erkältungen. Der Blütenaufguss wirkt schweißtreibend und ist durch seine schleimlösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften auch bei Bronchitis, Grippe, Husten, Heiserkeit und Angina zu empfehlen. Bei Darm- und Harnblasenleiden kann er durch seine krampflösende Wirkung Linderung bringen. Auch bei Asthma und rheumatischen Erkrankungen wird er wegen der entgiftenden Wirkung empfohlen. Von zu viel Computerarbeit überstrapazierten Augen soll übrigens ein kalter Tee aus den Holunderblüten rasch helfen – einfach getränkte Wattebäuschen auf die Augen legen.

Wildkrautgarten Holunderbeeren

Holunderbeerendolde mit roten Stielen

Die glänzend-schwarzen Beeren des Holunders helfen wie die Blüten bei Erkrankungen der oberen Atemwege. Die reichlich enthaltenen Vitamine und Spurenelemente aktivieren das Immunsystem. Der rote Farbstoff der Beeren schützt das Herz und kann den Blutdruck senken – außer wenn man sich damit gerade sein Lieblings-Shirt verfärbt hat. Die Beeren sind Bestandteil von Tee-Mischungen zum Abnehmen und sollen sind auch bei der Behandlung von Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und Migräne bewährt haben. Holunderbeerensaft oder -mus hat zudem eine leicht abführende Wirkung, die man sich zunutze machen kann, wenn stärke Abführmittel nicht ratsam erscheinen – zum Beispiel bei empfindlichen Personen, Kleinkindern oder Menschen mit entzündlichen Darmerkrankungen.

Wildkrautgarten HolunderbeerenHolunderbeeren sind übrigens auch ein echter Geheimtipp gegen Neuralgien, Hexenschuss und Ischiasschmerzen. Ich mische dazu den Saft mit Curcuma, um die entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung noch zu verstärken. Im akuten Fall 2-3 mal täglich ein Schnapsglas Holundersaft mit einer Messerspitze Curcuma, dazu Ruhe und Wärme – dann ist man schnell wieder schmerzfrei auf den Beinen.

Die wieder gewonnene Lebenskraft kann man dann ja dazu nutzen, sich aus Stecklingen einen Holunder im Garten zu ziehen. Wildbienen, Hummeln und zahlreiche Insekten werden sich über das pollenreiche Blütenangebot freuen. Auch die Raupe des Nachtschwalbenschwanzes wird es danken, denn sie ernährt sich von den Blättern. Die Früchte dienen vielen Vögeln und Kleintieren, aber auch Dachs, Waschbär und Fuchs als Winterfutter.

Wildkrautgarten Holunderblueten

Holunderbusch in voller Blüte

Und wenn die Tierchen im Garten mal überhand nehmen, dann eignen sich die stark riechenden Blätter oder eine Jauche aus ihnen zum biologischen Vertreiben von Wühlmäusen, Maulwürfen, Schnecken, Möhrenfliegen oder Erdflöhen. Die Holunderblüten ihrerseits wirken konservierend auf Lager-Obst – einfach auf jeder Schicht Äpfel oder Birnen verteilen.

Der Holunder ist seit Jahrtausenden treuer Begleiter der Menschen und wächst nahezu überall in unserer Nähe, wir sollten seine Freundschaft wieder suchen und uns an ihm freuen und laben.

Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten

Rezepte mit Holunder

HUGO
3 Minzblätter in einem bauchigen Weinglas etwas zerdrücken. Eine Limettenscheibe hinzugeben und mit 150ml Prosecco, 100ml spitzigen Mineralwasser und einem Schnapsglas Holunderblütensirup auffüllen. Eiswürfel nach Belieben zugeben und genießen.

Holundersaft
Holunderbeeren in einem Topf gerade so mit Wasser bedecken und kurz aufkochen lassen. Durch ein Tuch oder eine Feinstrumpfhose filtern. Pro Liter gefilterten Saft ca. 200g Zucker beigeben, noch mal kurz erhitzen und sofort in vorher sterilisierte Flaschen füllen. Ungeöffnet ca. 1 Jahr haltbar.

Holunder-Gelee
500g Holunderbeeren mit 500ml Wasser pürieren, den Saft einer Zitrone zugeben und alles ca. 5 Minuten kochen. Anschließend Saft durch ein Sieb gießen und mit der passenden Menge Gelierzucker nach Anweisung kochen. Wer mag, kann das Rezept noch mit je ½ Messerspitze Muskat und gemahlenen Nelken sowie etwas Vanille verfeinern. Heiß in sterilisierte Gläser füllen.

Holunderbeerpudding
400g Holunderbeeren mit 120ml Rotwein, 60g Zucker, einer Messerspitze Zimt, 2 Nelken, etwas abgeriebener Zitroneschale und etwas Zitronensaft aufkochen. Anschließend durch ein Sieb passieren und 1-2 Blatt Gelatine darin auflösen. Kaltstellen und mit Sahne oder Vanillesoße servieren.

Holunder-Traum
50 ml Holundersaft, 1-2 Teelöffel Holunderblüten und 150 ml Milch oder Buttermilch verrühren und genießen.

Holundersuppe
300 g Holunderbeeren mit ½ l Wasser, 50g Honig und dem Saft einer Zitrone im Mixer pürieren, in einem Topf kurz aufkochen lassen und durch ein Sieb passieren. Mit Schlagsahne oder Grießnocken warm servieren.

Holundersuppe mit Mehlschwitze
1 Kg Beeren in 2 ½ Liter Wasser weich kochen und durch ein Sieb streichen. In einem Topf 100g Butter zerlassen und 3 Esslöffel Mehl darin anschwitzen. Unter rühren allmählich den Holundersaft zu geben. Mit Zucker und Zimt abschmecken, nochmals kräftig Aufkochen und eine Tasse Milch oder süße Sahne zu geben. Mit in gerösteten Semmelwürfeln servieren.

Holunder-Pflaumen-Marmelade
300g Holunderbeeren waschen und mit 2 Esslöffeln Wasser etwa 4 Minuten kochen. Durch ein Sieb streichen. Ca. 1kg Pflaumen waschen, halbieren, entsteinen und mit dem Saft von 2 (Bio)-Zitronen (c. 80ml) pürieren. Holundermus mit dem Pflaumenpüree und 500 g Gelierzucker 3plus1 mischen. Mischung kurz aufkochen und heiß in sterile Gläser füllen.

Holunder-Birnen-Marmelade
300g Holunderbeeren waschen und mit einem 1/8 Liter Wasser etwa 4 Minuten kochen. Durch ein Sieb streichen. Ca. 600g Birnen waschen, vierteln, in ¼ Wasser weich kochen und pürieren. Holundersaft mit dem Birnenpüree mischen, die Hälfte des Gewichts an Zucker zugeben. Mischung kurz aufkochen und heiß in sterile Gläser füllen.

Holunder-Apfel-Marmelade
300g Holunderbeeren waschen und mit 2 Esslöffeln Wasser etwa 4 Minuten kochen. Durch ein Sieb streichen. Ca. 500g Äpfel waschen, vierteln, in ¼ Wasser weich kochen und pürieren. Holundersaft mit dem Apfelpüree mischen, die Hälfte des Gewichts an Zucker zugeben. Mischung kurz aufkochen und heiß in sterile Gläser füllen.

Holunder-Möhren-Marmelade
300g Holunderbeeren waschen und mit einem 1/8 Liter Wasser etwa 4 Minuten kochen. Durch ein Sieb streichen. Ca. 400g Möhren waschen, halbieren, zerkleinern und 1/8 Liter Wasser weich kochen, anschließend pürieren. Holundermus mit dem Möhrenpüree mischen, die Hälfte des Gewichts an Zucker zugeben. Mischung kurz aufkochen und heiß in sterile Gläser füllen.

Holunder-Bananen-Marmelade
500g Holunderbeeren mit 250ml Wasser pürieren ca. 5 Minuten kochen. Anschließend Saft durch ein Sieb gießen. 3 Bananen schälen, pürieren und mit dem Holundersaft, dem Saft einer Zitrone und 500g Gelierzucker 2:1 nach Packungsanweisung kochen und in sterilisierte Gläser füllen.

Holunder-Balsamico
100g Zucker in 300ml Balsamico erwärmen und auflösen Ein Gewürzsäckchen mit 1 Zimtstange sowie einige Pimentkörner und Nelken in einem Gewürzsäckchen in den Topf hängen und ca. 5 Minuten köcheln lassen. 250g Holunderbeeren dazugeben und alles zusammen weitere 10 Minuten köcheln lassen. Flüssigkeit abkühlen lassen, Gewürzsäckchen rausnehmen und nach dem Abseihen durch ein Mulltuch in Flaschen füllen.

Quellen:

  • Ortner, Marlies: Essbare Wildpflanzen aus dem Hausgarten
  • Sackmann, Kai: Die Nahrung aus der Natur
  • Fleischhauer, Guthmann, Spiegelberger: Essbare Wildpflanzen
  • Verlag für die Frau: Schätze aus Wald und Flur
  • Helm, Eve Marie: Feld-Wald- und Wiesenkochbuch
  • Pabst, G.: Köhlers Atlas der Medizinalpflanzen
  • Willfort, Richard: Gesundheit durch Heilkräuter
  • Kretschmar, Annette: Die Wildfrüchteküche
  • Tosa Verlag: Lexikon der Heilpflanzen
  • Mosaik Verlag: Schwester Bernardines große Naturapotheke
  • Treben, Maria: Gesundheit aus der Apotheke Gottes
  • Schönfelder, Ingrid und Peter: Das neue Handbuch der Heilpflanzen
  • Fleischhauer, Steffen Guido: Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen
  • Dreyer, Eva-Maria: Essbare Wildpflanzen Europas
  • http://www.bio-gaertner.de/pflanzen/Holunder/Alle
  • http://heilkraeuter.de/
  • http://www.kochbar.de
  • http://www.chefkoch.de


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