Wann wird´s endlich Sommer? Ein Blick in den Hundertjährigen Kalender

Wildkrautgarten Landunter Loewenzahn

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So langsam kann einem das aktuelle Wetter wirklich auf das Gemüt schlagen. Seit Tagen regnet es nahezu ununterbrochen in Strömen. Es ist Anfang Juni und bisher gab es kaum ein paar warme Tage. Spielt das Wetter nun verrückt und war es früher immer wärmer, sonniger und schöner? Oder spielt uns die Erinnerung einen Streich? Ein Blick in den Hundertjährigen Kalender offenbart, dass das Wetter erstaunlich genau dessen auf einem Siebenjahres-Zyklus basierenden Vorraussagen entspricht.

Im Alltag ist es für uns heute sehr praktisch, wenn wir wissen wie das Wetter wird. Sei es um die passende Kleidung zu finden oder beim geplanten Grillfest nicht plötzlich im Regen zu stehen. In den landwirtschaftlich geprägten Kulturen früherer Zeiten war das Wissen über das Wetter überlebenswichtig. Wer gute Termine für Saat und Ernte voraussagen konnte, hatte einen großen Vorteil. Viele alte Bauernregeln basieren auf der Beobachtung von wiederkehrenden Wetterzusammenhängen, die die Bauern mündlich weitergaben.

Der Hundertjährige Kalender war der Versuch einer wissenschaftlichen Zusammenstellung von Vorhersagen. Er entstand im 17. Jahrhundert. Der Abt des Klosters Langheim, Mauritius Knauer, verfasste ihn, um das Wetter in Franken vorherzusagen und so die klösterliche Landwirtschaft zu verbessern. Die Grundlage für sein Kalendarium waren detaillierte Wetter-Aufzeichnungen und himmelskundliche Beobachtungen in den Jahren 1652 bis 1658.

Knauer formulierte die Theorie, dass sich das Wetter in einem siebenjährigen Rhythmus wiederholt und die jährlichen Witterungsabläufe abhängig vom jeweiligen planetaren Einfluss seien. Mond, Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus und Merkur würden aufeinander folgend ab dem Frühlings-Äquinoktium (20. März) jeweils ein Jahr lang entscheidend das Wetter beeinflussen und so Vorhersagen erlauben. Auf dieser Siebenjahres-Basis erstellte Knauer Planetentafeln mit genauen Wetterprognosen für die Jahre von 1600-1912.

Der Name „Hundertjähriger Kalender“ entstand wahrscheinlich wegen der guten Werbewirkung, die schon damals nicht zu unterschätzen war. Der Arzt Christoph von Hellwig aus Thüringen lies 1704 den ersten Kalender mit den Wetter-Vorhersagen drucken. Er verkürzte jedoch Vorhersage-Zeitraum auf 100 Jahre – von 1701-1800 – der Hundertjährige Kalender war geboren.

Auch heute kann man die auf Knauers Berechnungen basierenden Prognosen noch als Buch erwerben und die Charakteristiken der sieben verschiedenen Planetenjahre nachlesen. Wenn man weiß, welches Planetenjahr aktuell herrscht, kann man daraus die Wettervorhersagen ableiten. Um festzustellen, in welchem Planetenjahr man sich gerade befindet, gibt es eine einfache Rechenformel: Vom betreffenden Jahr (beispielsweise 2013) wird 4 subtrahiert (2009). Dann wird die Zahl durch 7 dividiert (287… Rest 0). Die Restzahl bestimmt das Planetenjahr.

  • Rest 0 = Mond
  • Rest 1 = Saturn
  • Rest 2 =  Jupiter
  • Rest 3 = Mars
  • Rest 4 = Sonne
  • Rest 5 = Venus
  • Rest 6 = Merkur

Das Jahr 2013 gehört damit zum Planetenjahr Mond. Für alle, die nicht rechnen wollen: hier ein Tipp: Man findet den Hundertjährigen Kalender für dieses Jahr auch bequem nach Datum sortiert im Internet.

Heutige Meteorologen halten übrigens nichts von den Vorhersagen, die der Hundertjährige Kalender trifft. Sie werten die Übereinstimmungen als Zufälle. Nun, in diesem Jahr werde ich die Zuverlässigkeit der Vorhersagen testen. In den letzten Jahren hatte ich mit der willkürlichen Urlaubsplanung immer Pech mit dem Wetter. Dieser „Urlaubs-Schlechtwetter-Fluch“ ist so durchgängig, dass sich Kollegen schon für ihre Urlaubsplanung erkundigen, wann ich NICHT im Urlaub bin. In diesem Jahr bin ich anders vorgegangen und habe meine Urlaubstage auf die Schönwetterphasen verteilt, die der Hundertjährige Kalender voraussagt. Auch wenn ich nicht in Franken wohne, hat dieses Vorgehen bisher für meine Verhältnisse ganz gut funktioniert – aber der Jahresurlaub steht noch aus und wir wollen campen. Also Daumen drücken, dass die Meteorologen – wie so oft  – auch hier falsch liegen.

Bleibt noch die Frage zu klären, wann denn nun endlich Sommer wird: ein paar Tage müssen wir uns noch gedulden, aber die letzten drei Wochen im Juni sollen dann schön warm werden. Na schaun mer mal.

Wildkrautgarten - Bestimmt wirds bald Sommer!

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