Pflanze des Monats: Gundermann – die Würze von der Wiese

Gundermann

Gundermann – Wiesenwürze und Heilkraut

Der würzige Gundermann ist eines der Wildkräuter, die mir besonders an Herz gewachsen sind. Umso mehr freue ich mich, dass man diese Pflanze an so vielen Stellen entdecken kann, denn sie wächst in nahezu jedem Garten, unter Hecken und auf Wiesen. Je nach Standort bleiben die Blättchen klein und rund oder werden stattlich groß. Kleine violette Blüten schmücken die bei Bienen beliebte, auch Gundelrebe genannte Rankenpflanze von März bis in den Sommer hinein.

Aromatisches Würzkraut

Fast das ganze Jahr über kann man den Gundermann frisch ernten. Selbst unter dem Schnee treibt er frische Blättchen und ist im Frühjahr eines der ersten verfügbaren Wildkräuter. Die leicht gekerbten nieren- oder herzförmigen Blätter sind reich an Vitamin C, Kalium und Kieselsäure. Früher waren sie ein wichtiger Bestandteil der rituellen Neun-Kräuter-Suppe. Auch als Bierwürze war das herbe Kraut bis ins 17. Jahrhundert beliebt. Beim Joggen soll es sehr erfrischend sein, sich ein Gundermannblättchen auf die Zunge zu legen.

Gundermann

Die blauen Gundermannblüten sind eine schöne Dekoration für Speisen und Teemischungen

Weil er als Einzelgemüse zu streng schmeckt, mischt man den Gundermann meist mit anderen Kräutern für Wildspinat, Salate, Kräuterbutter oder Kräuterquark. Mit seinem einzigartigen herb-aromatischen Geschmack gibt er Fleischfüllungen, Eierspeisen, Eintöpfen und Suppen einen besonderen Geschmack. Auch selbst gemachtes Eis, Kräuterbowle, Tee, Wein, Likör und Öl erhalten durch ihn eine ungewöhnliche, aber angenehme Note. Die süßlichen Blüten eignen sich ebenso zum Aromatisieren und sind mit ihrer violetten Farbe auch eine wunderschöne und essbare Deko auf vielen Speisen.

Kraut gegen Schnupfen und vieles mehr

Vielleicht mag ich den Gundermann so besonders gern, weil ich mit ihm eine interessante Begebenheit erlebt habe. Vor ein paar Jahren wurde ich einmal krank. Ich wusste noch nicht genau, was es war, aber ich fühlte mich schwach und unwohl. Genau zu jener Zeit hatte ich ein starkes Verlangen danach, in meinen Garten zu gehen und Gundermann zu ernten. Weil es mir nicht gut ging, erschien es mir zu mühsam, die kleinen Blättchen zu zupfen, und so blieb ich zuhause. Nach ein paar Tagen allgemeinen Unwohlseins brach dann ein stattlicher Schnupfen durch, der mich mit voller Wucht ereilte. Und immer noch war das Verlangen nach dem Gundermann da.

Gundermann

Gundermann – auch ein Geheimtipp bei Schnupfen

Irgendwann schleppte ich mich dann doch in den Garten und pflückte eine Handvoll der dunkelgrünen Blätter. Wieder zuhause, war ich neugierig geworden, welche Heilwirkungen der Gundermann wohl hat und schlug in einem Kräuterbuch nach. Dass er essbar war, wusste ich, aber weiter hatte ich mich noch nie für ihn interessiert. Und was prangte mir da aus dem schlauen Buch entgegen? „Gundermann ist wirksam bei Schnupfen“! Er war also genau das Heilkraut, das ich in meinem Zustand brauchte! Hätte ich gleich auf mein Gefühl gehört und ihn schon eine Woche früher gepflückt, dann wäre der Schnupfen vielleicht gar nicht so schlimm geworden.

Gundermann

Gundermann wächst fast überall, je nach Standort üppig oder kleinbleibend

Doch nicht nur bei grippalen Infekten hilft der Gundermann, der schon bei den Germanen zu dem wichtigen Heilpflanzen zählte. Durch seinen Gehalt an Gerbstoffen, ätherischen Ölen und Bitterstoffen wirkt er allgemein entzündungshemmend, schmerzlindernd und anregend auf Blase, Nieren, Galle, Leber und den gesamten Stoffwechsel. Als Schleimlöser soll er zähen Husten, Lungenerkrankungen und Bronchialasthma lindern. Auch als Badezusatz zur Kräftigung von Muskeln und Gelenken und als Mittel gegen Rheuma und Gichtschmerzen fand er Verwendung. Bei Ischias, Neuralgien, Zahnschmerzen und Magenverstimmung soll er mildernd wirken.

Sein deutscher Name weist auf seine wohl größte Stärke hin. Im Altgermanischen stand die Silbe „Gund“ für Eiter oder eiterndes Geschwür. Man behandelte mit dem Gundermann eitrige Wunden und Leiden mit eitrigem Auswurf oder Ausfluss. Noch heute wird er in der Naturheilkunde auf diese Weise angewendet. Immer wenn im Körper durch langwierige Krankheiten Eiter entsteht, dann kann der Gundermann helfen. Die Einnahme von Gundermann als Saft, Tee oder Tinktur soll auch Schwermetalle, vor allem Blei, aus dem Körper leiten.

In ihrem sehr empfehlenswerten Buch „Medizin der Erde“ empfiehlt Susanne Fischer den frischen Presssaft zu gleichen Teilen mit Buttermilch vermischt esslöffelweise zur Kräftigung. Für die äußerliche Anwendung beschreibt Fischer die Herstellung eines wundheilenden Gundermann-Öls mit Hilfe der Sonne. Das Rezept für dieses Wunderblättchenöl verriet ihr ein alter Tiroler. Im Juni oder Juli gesammelte frische, nicht gewaschene Gundermannblätter werden fest in ein Glas gepresst und dieses an einen sonnigen Platz gestellt. Die helle Flüssigkeit, die sich nach einigen Tagen am Boden sammelt, wird vorsichtig abgeseiht und wie die meisten heilkräftigen Tinkturen und Auszüge am besten in einer dunklen Flasche an einem kühlen Ort aufbewahrt. Das so gewonnene Öl soll äußerlich angewendet die Heilung von Wunden, Verbrennungen, Geschwüren und Hauterkrankungen bei Mensch und Tier beschleunigen.

Gundermann

wegen der langen Ranken wird der Gundermann auch Gundelrebe genannt

Gut, dass diese heilsame Pflanze so gerne in der Nähe von Menschen wächst. Aber auch für Balkonkästen und Ampeln ist die rankende Pflanze eine dekorative Bepflanzung. Einfach ein paar Triebe sammeln und jeweils mindestens einen Blattansatz mit Erde bedecken. Die Gundelrebe wird ihrem Namen schnell gerecht und treibt bis zu einen Meter lange Ranken, die immer wieder abgeerntet werden können und dann besonders üppig wachsen. Mit etwas Blumendraht gestützt lassen sich die Ranken sogar in Formen binden und bilden so einen ganz besonderen Balkonschmuck. Da der Gundermann mit ein paar Blättern überwintert und im zeitigen Frühjahr wieder austreibt, ist der schmucke Kräutertopf sogar mehrjährig verwendbar.

Beim Sammeln in der freien Natur kann man den Gundermann rein optisch mit der Knoblauchsrauke, der echten Nelkenwurz oder dem Ehrenpreis verwechseln. Die ersten beiden haben im Frühjahr ähnlich geformte Blätter, der Ehrenpreis rankt sich auch am Boden entlang. Obwohl alle essbar sind, bringt eine Geruchsprobe am zerriebenen Blatt schnell Gewissheit, welche Pflanze man vor sich hat. Die weißblühende Knoblauchsrauke riecht nach Knoblauch, Nelkenwurz und Ehrenpreis haben wenig Eigengeruch. Nelkenwurz blüht gelb, Ehrenpreis hellblau. Der Gundermann hat violette Lippen-Blüten, einen vierkantigen, leicht behaarten Stengel und verströmt einen intensiven herb-würzigen Duft, an dem man ihn gut erkennen kann.

Ich wünsche Euch auch eine so innige Beziehung zum Gundermann, wie ich sie habe.
Anbei noch ein paar Rezepte, mit denen Ihr ihn besser kennen lernen könnt.

Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten

Kräuterlimonade mit Gundermann
Zutaten:

  • 15 Stengel Giersch
  • 2 Stengel Gundermann
  • 1 Stengel Minze
  • 1 Liter Apfelsaft
  • ½ Liter Mineralwasser
  • 1 Zitrone (Saft)

Zubereitung
Apfelsaft in eine große Kanne geben, zum Strauß gebundene Kräuter hineinhängen, für ca. 5-8 Stunden kalt stellen. Vor dem Servieren Kräuter herausnehmen, mit Mineralwasser und Zitronensaft auffüllen und mit einer Zitronenscheibe und ein paar Blüten garnieren.

Wildkräuter-Gelee
Zutaten:

  • Ca. 15 Stengel von Gundermann, Minze, Zitronenmelisse und Oregano gemischt
  • 1 Liter Wasser
  • ¼ Liter trockener Weißwein
  • 500g Gelierzucker
  • 2 Teelöffel Ascorbinsäure

Zubereitung
Kräuter waschen und in der Mischung aus Wasser und Wein mindestens 10 Minuten kochen. Kräuter abseihen und den Sud mit 2 Teelöffeln Ascorbinsäure (Vitamin C) und 500g Gelierzucker nach Packungsanleitung zubereiten. Nach erfolgreicher Gelierprobe heiß in ausgekochte Schraub-Gläser füllen und fest verschließen.

Schokolierte Gundermannblättchen
Zutaten:

  • 20-30 mittelgroße Gundermannblättchen mit Stiel
  • 50 g Kuvertüre

Zubereitung
Blätter waschen und trocken tupfen. Kuvertüre nach Packungsanleitung erwärmen. Blättchen am Stiel anfassen und Kuvertüre mit einem Pinsel auf beide Seiten des Blattes auftragen. Zum Trocknen auf Backpapier legen. Anschließend in verschlossenes Gefäß füllen und für mehrere Stunden im Kühlschrank kaltstellen. Zum Naschen oder als hübsche Deko. Nach dem Erstarren der Kuvertüre die Blätter sehr vorsichtig von der Kuvertüre lösen.

Schneller Gundermann-Kuchen
Zutaten
Für den Boden:

  • 200 g     Mürbeteigkekse (Mürbeteigkekse)
  • 100 g     Butter

Für den Belag:

  • 200 g     Vanille-Joghurt
  • 200 g     Frischkäse
  • 6 EL     Zitronensaft
  • 125 g     Zucker
  • 1-2  Handvoll Gundermannblätter und -blüten
  • 200 g     süße Sahne
  • 100 ml     Milch
  • 6 Blatt Gelatine

Zubereitung
Kekse zerkrümeln und mit der Butter vermischt als Boden in eine runde Springform drücken.
Gelatine nach Anweisung einweichen und dann ausgedrückt in der leicht erwärmten Milch auflösen. Sahne steif schlagen. Gundermannblätter klein hacken, die Blüten ganz lassen, beides mit Joghurt, Frischkäse, Zitronensaft, Zucker, Milch und Gelatine mischen. Sahne unterheben und die Mischung auf dem Keksboden verteilen. Anschließend Kuchen für ein bis zwei Stunden in den Kühlschrank stellen, bis er schnittfest ist. Als Dekoration eigenen sich Gundermannblüten und schokolierte Gundermannblättchen.

Exotischer Gundermann-Quark
Zutaten:

  • 1 Handvoll Gundermannblätter
  • einige Blätter von Schafgarbe, Giersch und Sauerampfer
  • 250g Magerquark-Quark
  • 3 EL Milch
  • Salz, Pfeffer,
  • eine Messerspitze Curry

Zubereitung:
Alle Kräuter waschen und fein hacken. Quark mit der Milch cremig rühren und mit Salz, Pfeffer und einer Messerspitze Curry abschmecken. Kräuter hinzugeben und durchmischen. Mit ein paar Gundermannblüten dekorieren.

Süßer Gundermann-Quark
Zutaten:

  • 1 Handvoll Gundermannblätter und -blüten
  • 250g süße Sahne (Schlagsahne)
  • 500g Magerquark
  • 2 Bananen
  • 1 Apfel
  • Saft einer Zitrone
  • Ahornsirup oder Honig zum Süßen

Zubereitung:
Einen Viertel Liter (250g) süße Sahne mit einer Handvoll Gundermannblättern, einem Apfel (ohne Stiel und Kerngehäuse) und 2 Bananen pürieren. Das Ganze mit 500 g Magerquark und dem Saft einer Zitrone vermischen. Bei Bedarf mit Ahornsirup oder Honig süßen. Mit Gundermannblüten und -blättern  dekorieren.

Würziger Gundermann-Quark
Zutaten:

  • 1 Hand voll Gundermannblätter
  • 250 g Quark
  • 3 EL Milch oder Mineralwasser
  • Salz und Pfeffer
  • Paprikapulver
  • Zitronensaft

Zubereitung:
Gundermann fein hacken. Quark mit Milch oder Mineralwasser glatt rühren und mit wenig Salz , etwas Pfeffer, einer Messerspitze Paprikapulver und einigen Spritzern Zitronensaft würzen. Feingehackten Gundermann unterheben. Dieser würzige Brotaufstrich passt auch gut zu Pellkartoffeln. Mit ein paar Gundermannblüten dekorieren.

 

Quellen:

  • Fischer, Susanne: Medizin der Erde
  • Bürger-Rasquin, Rahel: Wilde Freunde
  • Fleischhauer, Steffen: Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen
  • Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger: Essbare Wildpflanzen
  • Dreyer, Eva-Maria: Essbare Wildpflanzen Europas
  • Klemme/Holtermann: Delikatessen am Wegesrand
  • Storl, Wolf-Dieter: Heilkräuter und Zauberpflanzen
  • Mosaik-Verlag: Das große Buch der Pflanzen in Feld und Wald
  • Pahlow, M: das große Buch der Heilpflanzen
  • Mosaik-Verlag: Schwester Bernardines große Naturapotheke
  • Falk/ Torp: Wortschatz der germanischen Spracheinheit, Teil 3
  • Willfort, Richard: Gesundheit durch Heilkräuter
  • Görz, Heinz: Gesundheit durch Heilkräuter
  • www.chefkoch.de


Wenn Ihnen der Beitrag gefällt, empfehlen Sie ihn weiter. Einfach Freunden davon erzählen oder einen der Buttons 2x klicken, um den Beitrag mit ihrem sozialen Netzwerk zu teilen:

Ein Gedanke zu „Pflanze des Monats: Gundermann – die Würze von der Wiese

  1. G.Höra

    Das ist ein sehr interessanter Artikel, ich habe ihn gleich
    mehrfach versendet/verteilt.
    Ich werde jetzt in meinem Garten Guntermann sammeln
    und verwerten.

    Vielen Dank für diesen ausführlichen Beitrag.

    Antworten

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *