Das Scharbockskraut – ein Kraut gegen Vitamin C-Mangel

Scharbockskraut

Grüner Teppich von Scharbockskraut

Kaum ist der Schnee geschmolzen, überzieht das Scharbockskraut die winterkahle Erde mit einem grünen Teppich. Seine herz- bis nierenförmigen wunderbar glänzenden Blätter enthalten viel Vitamin C.

Eigentlich sollte das Scharbockskraut auch eine Pflanze des Monats werden, aber eine Botanikerin riet mir davon ab, weil es in seltenen Fällen zu Allergien führen kann. Ich persönlich finde das Scharbockskraut aber sehr lecker, deshalb will ich es Euch trotzdem vorstellen – dann eben nicht als Pflanze des Monats sondern einfach mal so mittendrin.

Seinem Reichtum an Vitamin C verdankt das Scharbockskraut seinen Namen. „Scharbock“ ist ein altertümlicher Name für den früher nicht nur bei Seefahrern gefürchteten Skorbut – eine Krankheit, die durch Vitamin-C-Mangel ausgelöst wird. An diesem litten die Menschen nicht nur auf See, sondern auch nach langen Wintermonaten ohne frische Kost. Wenn sie im Frühjahr dann die frühen, saftig-grünen Blätter des Scharbockskrautes aßen, ging es ihnen schnell besser. Auch wenn sie damals noch nicht wussten, dass es das heilsame Vitamin C war, das ihnen half, gaben sie dem Kraut gegen den Scharbock den passenden Namen.

Scharbockskraut

Das Scharbockskraut hat glänzende feingeäderte Blätter

Obwohl man heute weiß, dass die Pflanze ein schwachgiftiges Alkaloid enthält, können die Vitamin-C-reichen Blätter vor der Blüte gegessen werden, da sie dann nur sehr wenig von dem Stoff enthalten. Mit ihrem frischen sauer-scharfen Geschmack eignen sie sich als Bestandteil im gemischten Wildkrautsalat oder als Belag auf dem Butterbrot.

Auch klein gehackt in Kräutermischungen, zu Salatsaucen oder als Kräuterpüree bereichern sie die Frühlings-Speisen. In zu großen Mengen sollte man sie nicht konsumieren, aber eine Handvoll Blätter sind vor der Blüte völlig unbedenklich.

Beim Sammeln sollte man auch darauf achten, dass man das junge Scharbockskraut nicht mit der giftigen Haselwurz verwechselt. Die Blätter des Scharbockskrautes sind gekerbt, die der Haselwurz nicht. Blätter der Haselwurz sind auf der Unterseite außerdem oft trüb braunpurpurn angelaufen und riechen beim Zerreiben unangenehm scharf.

Scharbockskraut

Wenn die schöne Blüte erscheint, nur anschauen, nicht mehr essen!

Die hübschen gelben Sternblüten des Scharbockskrautes signalisieren dem Wildkrautsammler das Ende der Blätterernte. Mit der Blüte beginnt die Pflanze in Stielen und Blättern Giftstoffe einzulagern, welche die Schleimhäute reizen. Deshalb sollten diese dann nicht mehr gegessen werden – allerdings schmecken sie dann auch nicht mehr säuerlich, sondern eher brennend-scharf.

Das Scharbockskraut vermehrt sich zusätzlich zur Bestäubung durch Insekten durch kleine Knollen, die es nach der Blüte an den Blattachseln bildet. In Größe und Form erinnern sie an Getreidekörner. Sie werden später zu den stärkehaltigen Wurzelknöllchen, aus denen im nächsten Jahr neue Pflanzen treiben. Diese Brutknospen und auch die Wurzelknöllchen wurden in schlechten Zeiten ebenfalls als Nahrung verwendet. Sie können in kleinen Mengen auch im Mai und Juni noch gesammelt werden. Verwendung fanden sie als gekochtes Gemüse, getrocknet und zu Mehl gemahlen oder als Kapernersatz in Essig oder Öl eingelegt. Für letzteres sollte man die Knollen vorher ein paar Tage in Salz legen. Auf dieselbe Weise kann man übrigendsauch die vor der Blüte gesammelten Blätter haltbar machen.

Getrocknetes Scharbockskraut kann man übrigens auch als Tee verwenden, da beim Trocknen die giftigen Inhaltsstoffe abgebaut werden. Dieser soll innerlich gegen Hautkrankheiten helfen oder als Sitzbad Hämorrhoiden lindern. Der Presssaft aus den Wurzelknöllchen früher äußerlich gegen Feigwarzen genutzt.

Scharbockskraut

Ab der Blüte sollte man das Scharbockskraut nicht mehr essen!

Die Wurzelknöllchen sind übrigens das einzige, was ab den Sommermonaten vom Scharbockskraut übrig bleibt. Spätestens im Juni beginnt die Pflanze zu welken, zieht sich dann ganz in die Erde zurück und macht Platz für andere Wildkräuter. Im nächsten Frühjahr wird sie aber wieder eine der ersten sein, die uns mit ihrem Grün erfreut. Als Kind habe ich mal ein paar Knöllchen dieses hübschen Frühblühers im elterlichen Garten angepflanzt. Dort wächst sie im Frühjahr noch heute in einem mittlerweile stattlichen Teppich. Vor ein paar Jahren habe ich sie mir nun auch in meinen eigenen Garten holt und freue mich jedes Jahr wieder über das erste frische Grün!

Hier noch ein paar Rezepte, die Lust auf Frühling machen und die Wintermüdigkeit vertreiben.

Guten Appetit und Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten

Tomate-Mozarella mit Scharbockskraut
Zutaten

  • 2-3 Tomaten
  • 1 Mozzarella
  • 1 Handvoll Scharbockskrautblätter
  • Salz, Pfeffer, Olivenöl oder Balsamico-Essig

Zubereitung
Tomaten und Mozarella in Scheiben schneiden, Tomatenscheiben auf einen Teller legen, jeweils ein Mozarellastück und ein Scharbockskrautblatt darauf legen. Leicht salzen und pfeffern. Olivenöl oder Balsamico-Essig darüber träufeln. Kurz ziehen lassen.

Möhrensalat mit Scharbockskraut
Zutaten:

  • 1 Handvoll frische Scharbockskraut-Blätter
  • 1-2 Möhren
  • 4 Esslöffel Orangensaft
  • 1 Spritzer Zitronensaft
  • 1 Esslöffel Rosinen oder etwas Zucker/Honig
  • 1 Teelöffel Öl
  • etwas Salz
  • zum Verfeinern: 1 Esslöffel Sonnenblumenkerne

Zubereitung:
Rosinen in Mischung aus Orangen- und Zitronensaft einweichen, Scharbockskraut grob schneiden, Möhren raspeln. Alles zusammengeben und bei Bedarf ganz leicht salzen. Wer keine Rosinen mag, kann mit einer Prise Zucker oder Honig süßen. Öl zugeben, damit die öl-löslichen Vitamine verfügbar werden.

Tipp vom Chefkoch: Als raffinierte Variante noch einige kurz angeröstete Sonnenblumen- oder Pinienkerne über den Salat streuen. Gut passen auch geriebene Äpfel und Nüsse oder auch etwas Ingwer dazu.

Frühlingsbutter Rot-grün
Zutaten

  •     ½ Stück Butter
  •     2-3 EL Scharbockskraut
  •     mittelgroße Möhre
  •     kleine Zwiebel
  •     2 EL Tomatenmark
  •     Salz und Pfeffer zum Abschmecken

Zubereitung
Butter in einer genügend großen Schüssel zimmerwarm stellen, bis sie weich ist. Scharbockskraut fein hacken, Zwiebel sehr fein würfeln, Möhre fein raspeln. Gemeinsam mit dem Tomatenmark auf die Butter geben und mit einer Gabel gut durchmischen. Am Ende mit Salz und etwas Pfeffer abschmecken. Hält sich im Kühlschrank mehrere Tage. Ansonsten kann man die Kräuterbutter auch stückchenweise einfrieren. Wer will kann, noch gepressten Knoblauch beifügen.
Nudelsalat mit Feta und Scharbockskraut
Zutaten
· 200 g Nudeln
· 1 Handvoll Scharbockskraut
· 100 g Feta
· 1 Paprikaschote (für mehr Farbe rot/gelb gemischt)
· 1/2 Becher Schmand
· 3 Esslöffel Gemüsebrühe oder Brühe von Gewürzgurken
· Salz und Pfeffer, Zitronensaft zum Abschmecken

Zubereitung
Nudeln in Salzwasser garen und unter kaltem Wasser kurz abbrausen. Paprika fein würfeln, Scharbockskraut waschen und fein hacken, Feta grob zerbröseln. Schmand und Gemüse- oder Gurkenbrühe mischen, mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft abschmecken. Alle Zutaten vermengen und ein paar Minuten ziehen lassen.

Wilde Kapern
Zutaten

  • 1 Handvoll Blütenknospen, z.B. vom Gänseblümchen, Löwenzahn, Kapuzinerkresse oder Brutknospen vom Scharbockskraut
  • Salz
  • Weißweinessig

Zubereitung
Blütenknospen waschen, einen Tag mit Salz bestreut ziehen lassen. In kochenden Essig geben und kurz aufkochen lassen. Mit der Schaumkelle rausheben und in kleine vorher ausgekochte Gläser füllen. Mit dem Essig aufgießen, bis die Kapern mit Flüssigkeit bedeckt sind. Gläser mit ausgekochten Deckeln gut verschließen. Wem das Ganze zu sauer ist, der kann den Essig mit etwas Zucker oder Honig aufsüßen.

 

 

2 Gedanken zu „Das Scharbockskraut – ein Kraut gegen Vitamin C-Mangel

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