Gründonnerstagsuppe – die grüne Neune

Kraeuter für Neunkraeutersuppe am Gruendonnertag

Kräuter für Neunkräutersuppe am Gründonnertag sind im Moment noch schwierig zu finden unter all dem Schnee

Wenn die lange Zeit der dunklen Wintermonate sich dem Ende neigte, die Tage wieder länger als die Nächte wurden und die Natur endlich wieder erwachte, dann feierten unsere Vorfahren ein großes Fruchtbarkeitsfest.

Fester Bestandteil dieses Frühlingsrituals war die Neun-Kräuter-Suppe aus den ersten frischen Pflanzen, die nach der langen Winterzeit Vitamine und Lebensenergie brachten. Die Sehnsucht nach frischem Grün können wir gerade in diesem Jahr mit dem schneereichsten Frühlingsanfang seit 50 Jahren und den kältesten Nächten seit Wetteraufzeichnung gut nachvollziehen. Da ich unter der Schnee kaum drei Blättchen entdecken konnte, gibt es auch kein Foto einer leckeren Wildkrautsuppe. Aber was hinkommen könnten, wenn es denn nur wachsen würde, das möchte ich dennoch berichten.

Vermutlich war der würzige Gundermann als eine den Germanen heilige Pflanze eines dieser  Kräutlein. Welche Pflanzen sonst noch in die Kultsuppe hineinkamen, ist heute nicht mehr überliefert. Doch zumindest der Brauch der grünen Suppe zum Frühlingsbeginn hat sich bis heute in christianisierter Form erhalten. Noch heute isst man am Gründonnerstag vor Ostern eine Suppe aus frischen Kräutern – meist neun an der Zahl.

Rezepte für diese „Grüne Neune“ gibt es viele. Abhängig von Region und Vorlieben variieren Pflanzenmischungen und Zubereitungsart. Natürlich hat auch Einfluss, wie früh oder spät Ostern fällt und welche Pflanzen dann schon wachsen.

Als mögliche Auswahl für die Kräutersuppe fallen mir folgende Wildkräuter ein: Gundermann, Giersch, Guter Heinrich, Spitzwegerich, Gänseblümchen, Sauerampfer, Vogelmiere, Pimpinelle, Scharbockskraut, Brennnessel, Taubnessel, Schafgarbe,  Bärlauch, Brunnenkresse, Knoblauchsrauke, Löwenzahn, junge Birkenblätter, behaartes Schaumkraut, Weidenröschen, Rauke, Melde und Labkraut. Aber auch Küchenkräuter wie Schnittlauch, Kerbel,  Petersilie, Liebstöckel, Thymian, Salbei oder Dill können durchaus mit hinein. Jeweils eine Handvoll der neun Kräuter ist ein gutes Maß, bei sehr intensiv schmeckenden Pflanzen wie Gundermann, Kerbel oder Liebstöckel kann es auch etwas weniger sein.

Letztendlich muss jeder selbst seine neun Pflanzenlieblinge finden, welche ihm am besten schmecken oder einfach immer wieder neu variieren. Und warum eigentlich nur zum Gründonnerstag eine Kräutersuppe essen? Gerade jetzt im Frühjahr sollte man die frischen Gaben der Natur nutzen und Wildkräuter am besten jeden Tag genießen, denn sie haben eine reinigende und stärkende Wirkung auf unsen Körper und Geist!

Hier noch ein paar Grundrezepte für die kultige Neunkräutersuppe. Aber vielleicht habt ihr ja auch euer ganz eigenes Rezept, dann schreibt es mir, ich bin sehr gespannt.

Guten Appetit!
Der Wildkrautgarten


Kräutersuppe pur

Zutaten

  • je eine Handvoll Kräuter
  • 1 Zwiebel
  • Butter oder Öl zum Anbraten
  • 1/2 Liter Wasser oder Brühe, ev. Milch
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss zum Abschmecken
  • Sahne oder Schmand zum Abrunden
  • Blüten zum Garnieren

Zubereitung
Jeweils eine Handvoll Kräuter klein hacken, mit feingewürfelten Zwiebeln in Butter oder gutem Öl anschwitzen und dann traditionell mit Quellwasser (oder wer mag mit Brühe und einem Schuss Milch) aufgießen. 5 Minuten köcheln lassen, anschließend mit Salz, Pfeffer, einem Spritzer Zitronensaft und Muskatnuss abschmecken und mit dem Mixstab pürieren. Auf dem Teller eventuell noch einen Klecks Sahne oder Schmand in die Mitte setzen und mit ein paar frischen Blüten z.B. von Gänseblümchen und Gundermann garnieren.


Kräutersuppe mit Kartoffeln

Zutaten

  • je eine Handvoll Kräuter
  • 1 Zwiebel
  • Butter oder Öl zum Anbraten
  • 2-3 Kartoffeln
  • 1 Liter Wasser oder Brühe, ev. Milch
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss zum Abschmecken
  • Sahne oder Schmand zum Abrunden
  • Blüten zum Garnieren

Zubereitung
Zwiebeln fein würfeln, in Butter oder Öl anschwitzen, fein gewürfelte Kartoffeln dazugeben, kurz anbraten und mit Brühe aufgießen. Ca. 10-15 Minuten auf kleiner Flamme kochen, bis die Kartoffeln weich sind. Dann die fein gehackten Kräuter hinzugeben und kurz aufkochen lassen. Eventuell einen Schuss Sahne oder Creme fraiche zugeben. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken und mit dem Mixstab pürieren. Auf dem Teller noch einen Klecks Sahne oder Schmand in die Mitte setzen und mit ein paar frischen Blüten von Gänseblümchen und Gundermann garnieren.


Kräutersuppe mit Mehlschwitze

Zutaten

  • je eine Handvoll Kräuter
  • 1 Zwiebel
  • Butter oder Öl zum Anbraten
  • 2-3 El Mehl
  • 1 Liter Wasser oder Brühe, ev. Milch
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss zum Abschmecken
  • Sahne oder Schmand zum Abrunden
  • Blüten zum Garnieren

Zubereitung
Zwiebeln fein würfeln, in Butter anschwitzen, Mehl darüberstreuen und kurz goldgelb anbräunen lassen. Dann schlückchenweise kaltes Wasser oder Brühe hinzugeben und dabei rühren, dass eine Paste ohne Klümpchen, die sogenannte Mehlschwitze entsteht. Anschließend mit Wasser, Brühe und/oder Milch aufgießen. Wer es gehaltvoller mag, ersetzt einen Teil der Milch mit Sahne. Die kleingehackten Kräuter zugeben und etwa 5-10 Minuten köcheln lassen. Mit Salz, Pfeffer, einem Spritzer Zitronensaft und Muskatnuss abschmecken und mit dem Mixstab pürieren. Auf dem Teller noch einen Klecks Sahne oder Schmand in die Mitte setzen und mit ein paar frischen Blüten von Gänseblümchen und Gundermann garnieren.

Tipp vom Chefkoch: nach dem Pürieren, kurz vorm servieren ein paar kalte Butterflocken unterrühren. Dann auf dem Teller anrichten und garnieren. Dazu eine Scheibe geröstetes Vollkornbrot reichen.


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2 Gedanken zu „Gründonnerstagsuppe – die grüne Neune

  1. Pingback: Pflanze des Monats: Gundermann – die Würze von der Wiese | Wildkraut-Garten

  2. Pingback: Eier färben am Gründonnerstag - Blog des TVB Annaberg-Lungötz

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