Pflanze des Monats: Die Knoblauchsrauke

Knoblauchsrauke treibt schon im Februar

Knoblauchsrauke treibt schon im Februar

Wer genau hinschaut, entdeckt schon jetzt unter Hecken und Büschen kleine Blattrosetten mit dunkelgrünen, runden, leicht gezackten Blättern. Zerreiben Sie doch mal eines der Blättchen. Wenn es dann nach Knoblauch duftet, dann haben Sie eine Knoblauchsrauke entdeckt.

Von diesem intensiven Geruch hat die Knoblauchsrauke auch ihren Namen. Aber nicht nur im Geruch, sondern auch geschmacklich ähnelt die Knoblauchsrauke dem Knoblauch. Sie schmeckt allerdings nicht ganz so intensiv, dafür hat sie eine erfrischende Bitternote. Verwandt ist sie allerdings nicht mit ihrem Namensgeber, eher mit der Brunnen- und Gartenkresse. Wie diese beiden entstammt sie als Kreuzblütler nämlich der derselben Familie, aus der auch die bekannten Kohlsorten durch Kombination und Auslese entstanden.

Wenn sie sich erst einmal in einem Garten angesiedelt hat, wächst sie normalerweise immer wieder. Aber sie ist nicht ganz so ein großer Gärtnerschreck wie die Vogelmiere, da man die Pflanzchen leicht ausreißen kann, wenn sie unerwünscht sind. Wer sie in den Garten holen will, muss nur die reifen schwarzen Samen sammeln und unter einer Hecke aussähen. Meist zeigen sich dann schon im kommenden Frühjahr die ersten Blattrosetten. Ab der Blüte im zweiten Jahr vermehrt sich die Pflanze dann von selbst, wenn immer ein paar Samenstände reifen dürfen.

Knoblauchsrauke im Vorfrühling

Knoblauchsrauke im Vorfrühling

Ein Kraut mit ganz besonderer Würze

Auch im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke schon mit Absicht in den Gärten angebaut. Sie diente der armen Bevölkerung, die sich Salz und andere teure Aromen nicht leisten konnte, als wichtiges Gewürz. Man verwendete sie zum Beispiel in einer grünen Soße zu Fisch und Hammelbraten oder gab sie hinzu, um eintönige Gerichte schmackhafter zu machen. Ihre scharfen Samenkörner verwendete man als Pfefferersatz oder machte Senf daraus. Die vitaminreichen Blätter gehörten auch traditionell mit an die Kräutersuppen, die nach dem langen Winter wieder Kraft und Vitamine brachten.

Auch heute können wir die blutreinigende und verdauungsfördernde Wirkung der Knoblauchsrauke für eine Frühjahrskur nutzen. Die pfeffrig-knoblauchigen Blätter sind reich an Provitamin A und enthalten viel Vitamin C. Man kann sie direkt in den Salat geben, am besten mit anderen Wildkräutern, z.B. der Vogelmiere, gemischt. Auch als Kräuterbutter oder Pesto ist die Knoblauchsrauke sehr lecker. Da sich ihr Geschmack beim Kochen leicht verflüchtigt, sollte man sie besser roh in einem Gericht verwenden oder erst am Ende zugeben, wenn die Knoblauchnote gut zur Geltung kommen soll.

Blattrosette der Knoblauchsrauke

Blattrosette der Knoblauchsrauke

Am intensivsten im Geschmack sind die Blätter der zweijährigen Pflanze, wenn sie im ersten Jahr die typische Blattrosette aus nierenförmig eingekerbten Blättern bilden. Im zweiten Jahr treibt die Pflanze dann einen bis ca. 50-80 cm hohen Stängel mit eher spitzen herzförmigen Blättern, deren Aroma ist nicht mehr ganz so stark ist.

Dafür locken nun kleine nektarreiche weiße Blüten Bienen und andere Insekten. Auch für uns sind die Blüten eine hübsche und natürlich essbare Dekoration auf Salat oder Butterbrot. Man kann mit ihnen auch Essig aromatisieren, welcher dann dem Salatdressing einen besonderen Pfiff verleiht.

Blueten und Samenschoten der Knoblauchsrauke

Blüten und Samenschoten der Knoblauchsrauke

Wer es scharf mag, sollte die grünen Samenschoten probieren, die man ein paar Wochen nach der Blüte ernten kann. Sie schmecken wie eine Mischung aus Kresse und Peperoni und machen in Öl eingelegt, dieses zu einem echten Scharfmacher für Salate oder Fleisch. Die schwarzen ausgereiften Samen sind nicht minder scharf, in der Pfeffermühle sind sie als „Wilder Pfeffer“ ein lohnenswertes Gewürz. Man kann auch Senf aus ihnen herstellen oder sie im nächsten Winter als vitaminreiche Sprossen keimen lassen. Die Wurzel der Knoblauchsrauke schmeckt übrigens ähnlich wie Meerrettich. Sie sollte geerntet werden, bevor die Pflanze im zweiten Jahr ihren Stängel austreibt. Als aromatisch scharfes Gewürz passt sie gut zu Bratgerichten oder Käseplatten.

Heilwirkungen der Knoblauchsrauke

Obwohl die Knoblauchsrauke medizinisch heute kaum noch Anwendung findet, wurde sie früher auch wegen ihrer Heilwirkungen geschätzt. Ihre antibiotische Wirkung entfaltet sie dabei sowohl bei äußerlicher als auch innerlicher Anwendung. Als Tee oder Frischsaft kann sie bei Erkrankungen der Atemwege helfen. Sogar eine positive Wirkung bei Asthma, Bronchitis und rheumatischen Beschwerden wird ihr nachgesagt. Eine Auflage mit gequetschten Blättern oder einem alkoholischen Auszug soll bei schlecht heilenden Wunden und Zahnfleischentzündungen Linderung bringen.

Da die Wirksamkeit schnell nachlässt, sollte man für solche Anwendungen nur frische Pflanzen verwenden. Man findet sie aber recht häufig an halbschattigen Plätzen, unter Hecken, Büschen und an Waldrändern. Gerne wächst sie in Gesellschaft von Brennnesseln, da sie wie diese stickstoffhaltige Erde bevorzugt.

Knoblauchsrauke als leckere Wildgemuese

Knoblauchsrauke als leckeres Wildgemüse und schöner Blickfang im Wildkrautgarten

Tierisch beliebt

Auch Schildkroeten mögen Wildkraeuter

Auch Schildkröten mögen Wildkräuter wie die Knoblauchsrauke

Lassen Sie bei der Ernte aber immer ein paar Pflanzen stehen, denn auch die Tierwelt schätzt die Knoblauchsrauke. Sie ist neben dem Wiesenschaumkraut eine der Hauptnahrungspflanzen für die Raupen des Aurora-Falters. Der Schmetterling aus der Gattung der Weißlinge ist schon ab Ende März auf Brautschau. Die männlichen Tiere versuchen dabei mit hübschen orangeroten Flügelspitzen die eher unscheinbaren Weibchen zu beeindrucken.

Übrigens finden nicht nur Menschen und Aurorafalter-Raupen die Knoblauchsrauke lecker, auch Landschildkröten oder Nymphensittiche mögen das würzige Kraut. Also vergessen Sie nicht, ihnen etwas von Ihrer Ernte abzugeben.

Wildkrautküche

Damit Sie sehen, wie vielfältig die Knoblauchsrauke in der Küche einsetzbar ist, hier noch ein paar Rezepte. Schreiben Sie mir doch mal, wie es Ihnen geschmeckt hat oder ob Sie eigene Rezepte ausprobiert haben. Ich bin gespannt.

Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten.


Rezepte mit Knoblauchsrauke

Knoblauchsrauke-Tomaten-Salat:
Zutaten:
•    1 Tomate
•    ½ Handvoll Knoblauchsrauke
•    1 Lauchzwiebel
•    Öl, Salz, Zitrone oder Essig
•    Feta (wer mag)

Zubereitung:
Tomate würfeln, Knoblauchsrauke und Lauchzwiebel fein schneiden. Aus Öl, Salz und Zitrone oder Essig ein Dressing mixen. Wer will, fügt noch Feta-Würfel hinzu.

Knoblauchsrauken-Butter
Zutaten:
•    1 Stück Butter
•    1 Handvoll Knoblauchsraukenblätter
•    ½ Teelöffel Salz

Zubereitung:
Butter bei Zimmertemperatur weich werden lassen, Knoblauchsrauke sehr fein schneiden, Kräuter und Salz mit einer Gabel unter die Butter mischen. Lecker auf Brot, lässt sich auch gut portionsweise einfrieren.

Knoblauchsrauken-Senf:
Zutaten:
•    3 Handvoll Samen der Knoblauchsrauke (ca 50 g) (alternativ für normalen Senf: gelbe Senfkörner)
•    1 gestrichener Teelöffel Salz (5g)
•    1 gestrichener Teelöffel Zucker oder Honig  (10g)
•    3 Esslöffel Weinessig (30ml)
•    4 Esslöffel Wasser (40ml)

Zubereitung:
Samen oder Senfkörner in der Kaffeemühle möglichst fein mahlen, anschließend im Mixer alle Zutaten zusammenmixen, in Gläser füllen und mindestens 1-2 Wochen ruhen lassen, damit sich das Aroma entfalten kann. Das Rezept kann auf tausende Weisen variiert werden, z.B. durch Zugabe von Kräutern, Früchten, Gewürzen. Einfach mal ausprobieren.

Mildes Knoblauchrauken-Öl
Zutaten:
•    750ml Oliven- oder Rapsöl
•    1 Handvoll klein geschnittene Knoblauchsrauke (Blätter, Stengel und Blüten)

Zubereitung:
Kräuter in ein Glas füllen, mit Öl aufgießen, an dunklem Ort ziehen lassen.
Das Öl mit mildem Knoblauchgeschmack eignet sich als pfiffige Zutat zum Salatdressing oder zum Einreiben von Fleisch und Geflügel vor dem Braten.

Scharfes Knoblauchraukenöl
Rezept wie bei der milden Variante, aber anstelle des Krautes werden die unreifen grünen Samenschoten der Knoblauchsrauke verwendet. Diese sind ziemlich scharf und erinnern an eine Mischung aus Kresse und Peperoni.

Grüne Eierkuchen
Zutaten
•    ½ l Milch
•    250 g Mehl
•    2 Eier
•    1 Prise Salz
•    1 Messerspitze Backpulver
•    1-2 Esslöffel Zucker
•    1 Handvoll Knoblauchsrauke
•    etwas Öl zum Braten

Zubereitung
Knoblauchsrauke mit der Milch im Mixer zerkleinern, mit restlichen Zutaten zu einem glatten Teig verquirlen. Teig ½ Stunde ruhen lassen. Jeweils eine Kelle Teig mit ein wenig Öl in einer Pfanne von beiden Seiten anbraten. Dazu passen herzhafte Füllungen oder Soßen.

Quiche mit Knoblauchsrauke
Zutaten:
Für den Teig:
•    200 g  Mehl
•    100 g Butter
•    1 Ei
•    ½ Pck. Backpulver
•    ½ TL Salz
Für den Belag:
•    1/4 l saure Sahne
•    125 g geriebenen Käse
•    4 Eier
•    1 Handvoll feingehackter Knoblauchsrauke
•    Salz und Pfeffer zum Abschmecken
•    (ev. 150g Schinkenwürfel)

Zubereitung:
Mehl, Backpulver, Salz, Butter und Ei vermischen und zu einem glatten Teig kneten. Etwa 20 Minuten kühl stellen unbd dann auf Backblech oder Kuchenform ausrollen.

Für den Belag, ¼ l saure Sahne, 4 Eier, 125 g geriebenen Käse sowie 1 Handvoll feingehackter Knoblauchsrauke mischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken.  Belag auf den Teig streichen und eventuell noch 150 g Schinkenwürfeln darüber streuen. Bei 180 Grad ca. 30 Minuten backen.

Tortilla mit Knoblauchsrauke (ca. 4 Portionen)
Zutaten:
•    1 kg Kartoffeln
•    Eier
•    1 Zwiebel 2 Handvoll Knoblauchsraukenblätter
•    Salz und Pfeffer
•    etwas Öl zum Braten

Zubereitung:
Die Kartoffeln schälen und in kleine Stifte schneiden. Zwiebeln würfeln. Das Öl in einer Pfanne erhitzen. Kartoffelstifte und Zwiebeln in der Pfanne anbraten, bis sie gar sind. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Die Eier mit den fein gewiegten Kräutern verrühren und über die Kartoffeln geben. Mit einem Deckel oder großen Teller zudecken und stocken lassen. Mit Hilfe eines großen Tellers wenden und auch von der anderen Seite bräunen. Traditionell isst man Tortillas kalt.

 


Quellen:

  • Bürger-Rasquin, Rahel: Wilde Freunde
  • Fleischhauer, Steffen: Enzyklopadie der essbaren Wildpflanzen
  • Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger: Essbare Wildpflanzen
  • Klemme/Holtermann: Delikatessen am Wegesrand
  • Storl, Wolf-Dieter: Der Selbst-Versorger
  • Das Beste: Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen
  • Schönfelder, Ingrid und Peter:Das neue Handbuch der Heilpflanzen
  • Wikipedia


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5 Gedanken zu „Pflanze des Monats: Die Knoblauchsrauke

  1. Pingback: Hinweise gesucht: Wer kennt diese Pflanze? | Wildkraut-Garten

  2. Christine

    Vielen Dank für die vielen Rezepte mit Wildkräutern auf dieser Webseite! So etwas habe ich schon lange gesucht und bislang nicht gefunden. Ich freue mich schon sehr auf Ausprobieren.

    Antworten
  3. hotte

    Habe heute auf einem Spaziergang die Knoblachrauke entdeckt und dabei gleich an Pesto gedacht.
    Ich bin hocherfreut hier nun einige Rezepte dazu gefunden zu haben.
    Herzlichen Dank dafür.

    Antworten
  4. Sommerwind

    Dieses Jahr gibts bei uns Mengen von Knoblauchrauke. Hab eingefroren, Auflauf mit anderen Kräutern , Brotaufstrich, Knoblauchrauken-Butter und Pesto gemacht. Bin hellauf begeistert.

    Antworten
  5. Pingback: Knoblauchrauke: Heilkraut mit Würze - Kräuter, Schamanismus, Krafttiere

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