Das Zimbelkraut – ein trickreiches und hübsches Mauerblümchen

Zimbelkraut

Zimbelkraut

Manche Pflanzen haben einfach bessere Startbedingungen als andere, wenn es im Frühjahr losgeht mit dem Wachsen. Das Schneeglöckchen schmilzt sich einfach durch den Schnee, viele andere Kräuter warten nur auf die ersten warmen Sonnenstrahlen. Auch das Zimbelkraut nutzt einen ziemlich cleveren Trick. Als echtes Mauerblümchen wächst es einfach über den Schneebergen und muss so nicht warten, bis diese geschmolzen sind.

Ludwig Bechstein fand im 19. Jahrhundert in seinem Gedichtzyklus „Die Blumen und das Leben“ treffende Worte für das wahre Mauerblümchen:

Du kleidest der alten Ruine Gemäuer, rankend hinab und hinauf blühest du einsam für dich.“

Auch wenn es ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammt, ist das Zimbelkraut heute weltweit an Felsen und Mauerritzen und in Steingärten zu finden. Es wurde im 16. Jahrhundert als Zier- und Heilpflanze nach Mitteleuropa gebracht und wurde als Mauerzierde sehr beliebt.

Obwohl es als das wahre Mauerblümchen gilt, ist das Pflänzchen bei näherem Ansehen alles andere als unscheinbar. Das immergrüne Zimbelkraut ist nämlich auch in unseren Breiten winterhart und öffnet seine ersten Blüten bereits im Vorfrühling. Die kleinen hellvioletten Rachenblüten mit dem gelben Gaumen erinnern an Löwenmäulchen und zieren das Pflänzchen fast das ganze Jahr.

Die runden bis herzförmigen Blätter sind von unten meist rötlich gefärbt und sind essbar. Sie enthalten viel Vitamin C und wurden früher auch wegen des leicht scharfen kresseähnlichen Geschmacks zum Würzen von stärkenden Frühjahrssalaten verwendetet. Als Breiumschlag aufgelegt, diente die heute zu den Wegerichgewächsen gezählte Wildpflanze im Mittelalter zur Heilung von Wunden und Entzündungen.

Die Blüten, die früher auch als Färbemittel Verwendung fanden, wenden sich zunächst der Sonne zu. Mit fortschreitender Samenreife wenden sie sich jedoch ab vom Licht und die Samenstände wachsen in Richtung Mauerritzen. So bekommen die Samen einen guten Start.

Die Blätter können ganzjährig geerntet werden. Sie sollten jedoch immer ein paar Blättchen an den Trieben belassen, damit die Pflanze kräftig weitertreiben kann. Bis zu 60 cm hängt oder klettert eine einzelne Pflanze an Mauern und Felsen entlang und begrünt diese so auf attraktive Weise.

Wer will, kann das Zimbelkraut auch im Blumentopf oder Balkonkasten anbauen. Dazu im Herbst die Samen sammeln (oder kaufen) und im Frühjahr direkt in den feuchten Boden aussäen und feucht halten.

Zimbelkraut

Das Zimbelkraut ist ein echtes Mauerblümchen

Das abgebildete Zimbelkraut hat sich übrigens einen ganz exklusiven Platz ausgesucht. Es wächst an der ältesten Mauer des über 1000-jährigen Klosters Ilsenburg und erfreut dort die Gäste mit seinen hübschen Blüten. Noch sind diese nicht zu sehen, aber es wird wohl nicht mehr lange dauern.

Fröhliches Wildkräutern!
Der Wildkrautgarten


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3 Gedanken zu „Das Zimbelkraut – ein trickreiches und hübsches Mauerblümchen

  1. Waniczek, Hildegard

    Vor ca. 10 Jahren war ich mit einer Reisegruppe in unserer Partnerstadt Tulle in Frankreich. Dort bin ich auch in der Stadt allein spazieren gegangen und habe das Zimbelkraut entdeckt. Mir gefielen die hübschen kleinen Blüten und so habe ich ein wenig mitgenommen und daheim eingesetzt. Es hat sich ums ganze Haus ausgebreitet und meine Nachbarin hat sich auch sehr über dieses Blümchen gefreut. Unterdessen lebe ich seit 4 Jahren in der Stadt. Einige bepflanzte Schalen und Töpfe habe ich mitgenommen, da ich jetzt nur einen Balkon habe. Ich freue mich jedes Jahr, dass das Zimbelkraut sich in allen Behältern so ausgebreitet hat und so schön blüht, klein aber fein!

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