Vogelmiere …wächst sogar unterm Schnee

Vogelmiere

Als erste Pflanze dieser Reihe möchte ich Ihnen die Vogelmiere vorstellen, denn mit ein bisschen Glück können Sie dieses Wildkraut sogar schon jetzt im Januar ernten und als gesunde Zutat im Salat genießen. Die Vogelmiere ist winterfest. Außer bei starkem Frost wächst und blüht sie das ganze Jahr über. Sie wächst sogar unterm Schnee weiter und auch die Samen keimen bei kurz über null Grad unter der schützenden Schneedecke.

Das zarte, unscheinbare Nelkengewächs mit den winzigen weißen Sternblüten kennen viele noch von früher. Omas Kanarienvogel Hansi hat das doch immer so gerne gegessen. Und Hansi wusste schon warum, denn die Vogelmiere strotzt nur so vor Vitaminen, Mineralien und Lebenskraft.

Diese schier unverwüstliche Vitalität ist es auch, die sie bei vielen Gärtnern so unbeliebt macht. Die zarte Pflanze mit ihren zahllosen hellgrünen Blättchen und Stängeln mag offene, stickstoffreiche Böden. Auf gut gedüngten Gemüsebeeten kann sie so schnell ganze Teppiche bilden. Die Vogelmiere als Unkraut zu bekämpfen, ist nahezu unmöglich, da die Pflanze jährlich 5 bis 8 Generationen mit bis zu 20 000 Samen pro Pflanze hervorbringt. Der Samen selbst ist 60 Jahre keimfähig und kann so warten, bis er gute Bedingungen findet.

Dabei könnten sich die Gärtner freuen, denn Vogelmiere ist eine Zeigerpflanze für humosen und fruchtbaren Boden. Außerdem schützt sie als lebendiger Mulch vor Austrocknung und Erosion. Sie nimmt Regen und Gießwasser die Wucht und verhindert dadurch sehr effektiv das Verschlämmen des Bodens. Außerdem unterdrückt sie durch ihren dichten Wuchs effektiv andere (Un)kräuter.

Ob Unkraut oder Nutzpflanze ist ja immer eine Frage der Definition. Für mich ist die Vogelmiere eine leckere Salatpflanze, die nahezu ganzjährig nutzbar ist und die sich praktischerweise auch noch selbst vermehrt, ohne dass ich mich groß um sie kümmern muss. Wird sie mal zu üppig, dann ernte ich sie einfach. Von der Vogelmiere kann man theoretisch alles verwenden: Blätter, Blüten, Stängel und Wurzel. Letztere lasse ich aber meist im Boden und ernte nur die Spitzen oder das oberirdische Kraut mit der Schere. So muss man lästige Erdklümpchen später nicht aussortieren.

Vogelmiere hat einen angenehmen, mildwürzigen Geschmack, der an eine Mischung aus Kopfsalat und rohem Mais oder Erbsen erinnert. Sie bleibt das ganze Jahr über mild und wird nicht bitter, wie andere Wildkräuter. Da sie sehr zart ist, kann man sie zu jedem Salat hinzugeben oder sie einzeln und mit anderem Gemüse gemischt wie Spinat zubereiten. Auch Pesto oder Suppe aus Vogelmiere sind ein lohnendes Geschmackserlebnis.

Die Vogelmiere ist ein sehr wertvoller Vitamin- und Mineralstofflieferant. Sie enthält doppelt soviel Calcium, dreimal soviel Kalium, Magnesium und Vitamin A, siebenmal soviel Eisen und mehr als 10-mal soviel Vitamin C wie der Kopfsalat. Schon 150g frische Vogelmiere decken den Tagesbedarf an Eisen, Kalium und Vitamin C. Seltene Elemente wie Zink, Selen, Phosphor, Kupfer und Kieselsäure sind auch enthalten.

Dank ihrer Vitamine und Mineralien, den enthaltenen Saponinen und weiteren nützlichen Inhaltsstoffen wirkt die Vogelmiere auch als Heilpflanze. Sie gibt neue Lebenskraft und hilft gegen vielerlei Mangelerscheinungen, zum Beispiel gegen Frühjahrsmüdigkeit. Sie wirkt harntreibend und regt die Verdauung und den Stoffwechsel an. So kann sie frisch oder als Tee genossen bei Schlankheitskuren, bei Hautausschlägen und bei Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Rheuma und Gicht unterstützend wirken. Kneipp empfahl das Kraut als schleimlösendes Mittel bei Husten. Zusammen mit Spitzwegerich ist die Vogelmiere als Tee ein bewährtes Erkältungsmittel. Äußerlich helfen Tee oder Pflanzenbrei bei vielen Arten von Hautproblemen. Auch bei schlecht heilenden Wunden oder gegen Schuppenflechte kann man die Vogelmiere versuchen. Bei Gestenkörnern kann ein Augen-Bad oder ein Umschlag mit Vogelmiere-Tee helfen.

Wer keinen Garten hat, in dem er die Vogelmiere ernten kann, kann sie sich übrigens auch leicht als dekorative Pflanze im Blumentopf oder Balkonkasten ziehen. Bis zu einem halben Meter lang können die zarten, reich beblätterten Stängel über den Kastenrand hinabhängen und sind eine ungewöhnliche und noch dazu essbare Abwechslung zu Begonien und Co. Den Samen gibt’s oft in Tiergeschäften und manchmal auch schon im Garten-Center. Das Wildkraut taugt übrigens sogar zur Wettervorhersage, denn bei nahendem Regen schließt die Vogelmiere ihre kleinen weißen Blüten, die sonst ab neun Uhr morgens 12 Stunden lang dem Lauf der Sonne folgen.

Die Schmähung als Unkraut hat die Vogelmiere also wirklich nicht verdient. Sie ist viel mehr als Gärtnerschreck und Vogelfutter. In meinem Wildkraut-Garten ist die Vogelmiere jedenfalls herzlich willkommen. Leider wächst sie bisher nicht von selbst, an der Bodenqualität muss ich daher wohl noch arbeiten. Also säe ich sie in Töpfchen, pflanze sie im Garten aus und hege und pflege sie. Wenn sie dann erntereif ist, freue ich mich und lasse sie mir schmecken, im Salat, als Pesto, als Suppe oder einfach nur aufs Brot. Ich werde gleich mal schauen, ob sich unter dem Schnee schon etwas tut. Schauen Sie doch auch mal nach.

Rezepte mit Vogelmiere

Vogelmiere-Trunk – mineralstoff- und vitaminreiches Frühjahrs-Getränk

Zutaten

  • 500 ml Orangensaft
  • 500 ml Buttermilch
  • 1 Handvoll Vogelmiere
  • 1 EL Honig/Stevia

 Zubereitung

Vogelmiere waschen und grob hacken. Mit Orangensaft und Buttermilch im Mixer oder mit dem Pürierstab mixen. Bei Bedarf mit Honig oder Stevia süßen.

 

Vogelmiere-Salat – fruchtig frischer Frühlingssalat

Zutaten

  • 1-2 Handvoll Vogelmiere
  • 2-3 Äpfel, fein säuerlich
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 EL Senf
  • 2 EL Zitronensaft
  • 3 EL Öl

 Zubereitung

Vogelmiere waschen und grob hacken, Äpfel würfeln, beides vermengen und mit einer Remoulade aus Öl, Senf, Zitronensaft und der fein gewürfelten Zwiebel anrichten. Alternativ passt auch ein Jogurt-Dressing gut dazu.

 


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2 Gedanken zu „Vogelmiere …wächst sogar unterm Schnee

  1. Margot

    Wirklich eine Webseite zum Genießen!! Ich bin überrascht, wieviel kreative Rezepte hier zu finden sind. Sie animieren zum Nachkochen und ich freue mich schon darauf, sie auszuprobieren!!

    Danke dir für die schöne und aufschlußreiche Seite!!
    Liebe Grüße
    Margot

    Antworten
  2. Bella

    Ich hatte eigentlich gehofft den genauen Eisengehalt von Vogelmiere hier zu erfahren – das war zwar nicht der Fall, aber es ist schon interessant, was noch so alles in diesem Kraut steckt. Ich habe mir jetzt Vogelmierentee bestellt und bin schon sehr gespannt wie dieser den schmecken wird.
    Tolle Seite hier.

    Antworten

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